Erlangen gewinnt im 70-Tore-Kracherduell, Ketsch holt ersten Sieg
3. Liga Frauen: So lief der zweite Spieltag in der Staffel Süd
- 70 Tore im Kracherduell: Erlangen und Allensbach spielten sich in einen Rausch und lieferten nicht nur ein spannendes Spiel bis zur letzten Minute, sondern auch ein 37:33 Torfestival.
- Überraschungssieg der Aufsteigerinnen: FRISCH AUF! Göppingen II erspielte sich gleich am zweiten Spieltag einen Sensationssieg gegen die SG Kappelwindeck/Steinbach und spielt sich auf Platz 3 der Tabelle.
- Sieg im Teufelsduell: Die roten Teufel der Ortenau (TuS Schutterwald) pusten die Isar Devils (TSV Ismaning) aus der eigenen Halle.
- Ungeschlagen an der Spitze: Der TSV Wolfschlugen setzt sich mit dem Auswärtssieg bei den Eulenfrauen an die Tabellenspitze.
TSG Friesenheim – TSV Wolfschlugen - 26:31 (13:16)
Die Vorzeichen für dieses Duell standen für die Eulenfrauen unter emotionalen und besonderen Umständen, da das Team um ihre ehemalige Spielerin Jacky Wegner trauert, die bei einem Unfall ums Leben kam. Außerdem hatten die Eulenfrauen mit dem TSV Wolfschlugen einen harten Gegner zu Gast, der beide Spiele der letzten Saison gewonnen hat und mit dem sie sich bis zuletzt ums Treppchen kämpften. „Wir wissen, wie gut Wolfschlugen ist. Wir treffen auf eine körperlich starke Mannschaft, die taktisch sehr variabel agiert.", sagt Eulencoach Niklas Weißbrod in Vereinsmedien. Die Gastgeberinnen legten nach zwei Minuten mit dem ersten Tor der Partie vor, um kurz darauf den Gegentreffer von Franziska Kaupp zum 1:1 zu erhalten. Bis zur 7. Minute wechselten sich beide Teams mit Treffern ab. In der 22. Minute zwangen die Wolfschlugerinnen die Eulenfrauen nach einem null zu drei Lauf in die Auszeit und konterten direkt danach weitere zwei Male und stellten die Zähler in der 26. Minute sogar auf 10:15. Das letzte Tor der ersten Halbzeit machte Heimspielerin Rebecca Brecht, die ihre Eulenfrauen mit einem 13:16 in die Pause schickte. Wolfschlugen kam gestärkt aus der Kabine und zog nach knapp zwei Minuten in der zweiten Halbzeit mit einem 13:18 davon. Diesen Aufwärtstrend konnten die Gäste auch im weiteren Verlauf weiter ausbauen, führten in der 43. Minute mit einem Sechs-Tore-Vorsprung und einem 19:25. Die Eulenfrauen kämpften sich im weiteren Verlauf zwar immer wieder tröpfchenweise heran, konnten den weiten Vorsprung Wolfschlugens aber nicht mehr einholen. Es war wie erwartet ein hartes und emotionales Spiel, insgesamt neun Siebenmeterwürfe erspielten sich die Teams, die Gastgeberinnen mussten fünf Zeitstrafen kompensieren. Fünf Minuten vor Schluss gab es aber für die Gäste nochmal einen Knall – Wolfschlugens beste Werferin Franziska Kaupp musste mit Rot vom Platz. Dem Auswärtssieg stand das aber nicht mehr im Wege. Nach 60 Minuten endete die Partie mit einem 26:31 Auswärtssieg für den TSV Wolfschlugen, der sich dadurch ungeschlagen an die Tabellenspitze setzt. Beste Werferin seitens der Heimmannschaft war mit 11 Toren Rebecca Brecht, die weiterhin die Torschützinnen-Liste mit insgesamt 22 Toren anführt.
SG Schozach-Bottwartal – Kurpfalz Bären - 23:31 (14:16)
Die Meisterinnen der letzten Saison reisten mit einer ersten Niederlage im Gepäck zur SG Schozach-Bottwartal und hatten den ersten Sieg der Saison auf der Agenda. Gesagt, getan. Dass sie dieses Ziel ganz klar verfolgen, bewiesen die Bären ab Sekunde 1 der Partie und legten mit einem 0:3 in den ersten drei Minuten vor. Doch Schozach schüttelte den Anfangsschock ab und zog in der 8. Minute und einem 5:5 gleich. Ab da lieferten sich beide Teams ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch wenn die Bären immer wieder vorlegten und in Führung gingen, die Gastgeberinnen zogen nach. Beim Spielstand von 8:10 zog Schozachs Trainer Daniel Weinheimer in der 21. Minute die erste Time Out-Karte, mit sofortigem Effekt und einem 9:10. Bis zur 24. Minute verlief die Partie noch verhältnismäßig harmlos, die erste Zeitstrafe holte sich Heimspielerin Carlotta Hees ab. Den Zwei-Tore-Abstand konnte die SGSB bis 30 Sekunden vor Abpfiff der 1. Halbzeit halten, kassierten dann noch das 13:16. Doch Lena Siebert konnte durch ein Siebenmeter-Tor nach Abpfiff der ersten 30 Minuten wieder auf ein 14:16 stellen. Der Start in die zweite Halbzeit verlief erstmal wechselseitig. Im weiteren Verlauf zogen die Ketscherinnen mit drei Toren Abstand davon und bauten diesen ab der 42. Minute noch weiter aus. In der 51. Minuten stand es dann schon 19:26. Diesen Vorsprung konnten die Gastgeberinnen nicht mehr einholen, betrieben lediglich stellenweise noch ein bisschen Ergebniskosmetik und setzten 20 Sekunden vor Schluss mit dem letzten Heimtreffer das Spielergebnis von 23:31 fest. Schozachs stärkste Torschützinnen waren Jana Honer und Lena Siebert, die jeweils fünf Tore verwandelten. Bei den Bären kürte sich Neuzugang Aine Hohmann mit sieben Toren zur internen Torschützenkönigin der Partie.
TSV Haunstetten 1892 – TSG Haßloch - 26:19 (11:9)
Bei diesem Match lag die Spannung und Nervosität schon vor Spielbeginn in der Luft. Beide Mannschaften hatten ihre Saisonauftaktspiele verloren und wollten sich jetzt ihre ersten beiden Punkte sichern. Der TSV Haunstetten startet diese Saison mit einer extrem jungen Mannschaft, die die Tabellenposition der vergangenen Saison abschütteln und die Klasse auf jeden Fall halten will. Sie empfangen die Aufsteigerinnen aus Haßloch, die sich an die 3. Liga noch gewöhnen müssen. Das erste Tor der Partie vollendete Haunstettens Elsa Wonnenberg in der ersten Spielminute. Dann passierte lange sechs Minuten nichts, bzw. zumindest konnte keine Mannschaft den Ball ins Tornetz bringen. Das spricht für eine starke Abwehr- und Torwartleistung auf beiden Seiten. Kurz vor Ablauf der 7. Spielminute erlöste Haßlochs Viviane Schranz die Durststrecke der Gäste mit dem 1:1 und brach den Fluch der Torlosen. Doch ein Torfestival konnten die Zuschauer nicht vorfinden, nach 17 Minuten stand lediglich ein 5:5 fest. Auch wenn Haunstetten seine Gegnerinnen durch die starke Abwehr immer wieder in ein Zeitspiel brachten, konnten sie in der Offensive nicht richtig punkten und die erste Halbzeit plätscherte tortechnisch fast vor sich hin. Sina Gossner knallte nach Abpfiff ihren Siebenmeter noch eindrucksvoll ins Haßlocher Tor und schickte ihr Team mit einem 11:9 in die Kabine. Die zweite Halbzeit startete zumindest etwas frischer, ließ keine minutenlange Torlosigkeit zu. Die Aufsteigerinnen konnten nach knapp sechs gespielten Minuten in Hälfte 2 sogar wieder mit einem 12:12 gleichziehen, den Aufschwung aber nicht dafür nutzen, das Spiel zu ihren Gunsten zu drehen. Ab der 45. Minute wurden dann aber vor allem die Gastgeberinnen warm und zogen in Folge von einem 19:15 in der 49. Minute auf ein 24:17 in der 58. Minute davon. Es scheint, als hätten sie ihre Fesseln ein bisschen gelockert. Auch wenn die Bären aus Haßloch versuchten mitzuhalten, konnten sie letztendlich nicht mehr dagegenhalten. Nach 60 Minuten Spielzeit lösten die Schwäbinnen mit einem 26:19 das erste Punkteticket daheim und freuten sich auf den 8. Tabellenplatz. Haunstettens Trainer Michael Rothfischer sieht trotz Sieg noch Verbesserungspotenzial: „Wir benötigten extrem viel Geduld und über weite Strecken war es reine Nervensache."
HC Erlangen – SV Allensbach - 37:33 (20:19)
Der zweite Spieltag endete in der Partie zwischen dem HC Erlangen und dem SV Allensbach mit einem Bang und Torrekord von insgesamt 70 Treffern. Die Karl-Heinz-Hiersemann-Halle im fränkischen Erlangen glühte nach 60 Minuten Torfestival förmlich. Erlangens Lara Carbone verwandelte allein schon elf Tore im Netz der Gegnerinnen, die sich ihre gesammelten Tore fast schon fair in der Mannschaft verteilten. Für den SV Allensbach war es das Auftaktspiel in die neue Saison. Aber von Anfang an: Zu Beginn der Partie starteten erstmal die Gäste des SVA durch, konnten bis zu Erlangens Ausgleichswurf zum 3:3 mit Beginn der 7. Spielminute immer vorlegen. Bis zur 11. Minute lieferten sich beide Teams ein starkes Kopf-an-Kopf-Rennen, zogen immer wieder gleich. Die Gastgeberinnen legten dann nochmal eine Schippe drauf und zogen auf ein 10:7 nach einer gespielten Viertelstunde davon. Weitere fünf intensive Minuten später konnten die Allensbacherinnen zumindest wieder auf ein 14:13 verkürzen, blieben dann aber drei lange Minuten am Stück torlos. Aufgegeben haben sie trotzdem nicht, holten fünf und zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff nochmal ein Unentschieden raus. Allensbachs Greta Rinkeviciute verwandelte zehn Sekunden vor der Pause noch das 20:19. Zu Beginn der zweiten Halbzeit schien der SVA gestärkt und fokussiert aus der Kabine gekommen zu sein, Jule Schuster drehte den Spielstand in der 33. Minute zum 20:21. Insgesamt konnten sich die Zuschauer auch in der zweiten Hälfte der Partie kaum entspannen, denn beide Teams ließen nicht locker und lieferten sich ein Duell auf absoluter Augenhöhe. So stand es nach 47 gespielten Minuten wieder 28:28. Dass die Fränkinnen dann nochmal eine Schippe drauflegten und neun weitere Tore bis zum Abpfiff machten, war hier definitiv noch nicht zu erwarten. Doch dann knickte die Leistung der Allensbacherinnen ein, sie konnten dem Druck des HCE nicht mehr standhalten. Die Erlangerinnen trafen innerhalb von dreieinhalb Minuten vier Tore und zwangen die Gäste des SVA nach dem 32:28 zur Auszeit. Ab da konnten die Allensbacherinnen nicht mehr an den Heimverein rankommen, auch wenn vor allem Katja Allgaier nochmal alles in die Waagschale legte. Lotte Rothaug machte dann den Sack zum 37:33 aus Sicht der Gastgeberinnen zu. Allensbachs Trainer Martin Gestenecker resümierte im eigenen Spielbericht: „Es war ein Spiel zweier gleichwertiger Teams. Und gegen Erlangen gehen die Spiele auch nie niedrig aus. Wir müssen vor allem in der Defensive härter verteidigen."
SG Kappelwindeck/Steinbach – FRISCH AUF! Göppingen II - 20:27 (8:14)
Aus dem Plan, den Saisonauftakt mit einem Sieg zu feiern, wurde für die SG Kappelwindeck/Steinbach leider nichts. Woran das lag, muss das Team jetzt im Nachgang aufarbeiten. Aber des einen Leid ist des anderen Freud. Die Aufsteigerinnen aus Göppingen konnten sich durch ihre starke Leistung die zwei Punkte mit nach Hause nehmen. Ihre Lara Schmid legte nach 54 Sekunden im Spiel dafür quasi den Grundstein. Damit war die SGKS nicht einverstanden, setzte zur Aufholjagd ein und zwang nach erst sieben Minuten und einem 3:1 den Gegner in die erste Auszeit. Den Vorsprung konnten sie noch gute knappe zehn Minuten halten, dann zog Göppingen in der 17. Minute mit einem 6:6 durch den verwandelten Siebenmeter von Lara Schmid gleich. Schmid spielte sich im Verlauf der Partie quasi in einen Torrausch, traf allein zehn der 27 Tore. Keine halbe Minute nach dem Ausgleich allerdings der abrupte Dämpfer für die Gäste. Jennifer Merz musste nach einem harten Foul und der folgenden roten Karte vom Feld. Kappelwindecks Petra-Sinziana Botarel traf per Anschlusssiebenmeter zum 7:6. Das Spiel blieb hart, forderte insgesamt fünf Zeitstrafen, drei davon für die Gastgeberinnen. Ab der 20. Minute drehten die Gäste dann das Spiel, gingen schnell in Führung und machten fünf Tore in Folge, bevor die Halbzeit mit einem 8:14 endete. Von dem Schock musste sich die SGKS in der Kabine erstmal erholen. Doch die Gäste blieben auch in der zweiten Hälfte die klar stärkere Mannschaft, erreichten den vorläufigen Peak in der 34. Minute mit einem Abstand von acht Toren (8:16). Göppingen konnte den Abstand immer halten, auch wenn Kappelwindeck phasenweise etwas näher ranrückte. So stand es nach 45 gespielten Minuten 16:20. Drehen konnten die Gastgeberinnen die Partie nicht mehr und so stand es nach 60 gespielten Minuten 20:27 für die Gäste aus Göppingen, die trotz roter Karte den Mut nicht verloren haben. Durch den Sieg setzten sich die Aufsteigerinnen aus Göppingen auf den 3. Tabellenplatz, die SGKS landete auf dem 10. Platz.
TuS Schutterwald – TSV Ismaning - 29:24 (16:12)
Sie reisten mit geschwellter Brust nach Schutterwald zum Teufelsduell. Doch die Isar Devils mussten sich nach Ablauf der Spielzeit mit fünf Toren Unterschied geschlagen geben. Das Teufelsduell ging somit an die roten Teufel der Ortenau, die sich dadurch auf den 4. Tabellenplatz und damit direkt vor Ismaning spielten. Beide Teams hatten sich vorgenommen, von Beginn an präsent auf der Platte zu sein und direkt mit Torerfolg in die Partie zu starten. Statt Toren gab es nach dreieinhalb Minuten die erste Zeitstrafe für Ismanings Isabel Toth. Nach über vier Minuten klingelte es dann endlich im Kasten zum 1:0 für Schutterwald, die dann scheinbar ein unsichtbares Torsiegel für beide Teams brachen. Von da an ging es Schlag auf Schlag, bis zur ersten Auszeit der Gäste nach 11 Minuten. Ismanings Versuch, die Oberhand zu gewinnen, gelang erst mit dem 5:5 in der 14. Spielminute, dem noch ein 5:6 folgte. Danach zogen die roten Teufel aus Schutterwald nochmal das Tempo an, spielten sich wieder in den Vordergrund. Ismanings Diana Feles traf in der 26. Minute den Ausgleichstreffer zum 12:12 und damit dem letzten Tor der 1. Halbzeit für die Gäste, denn ab da spielte sich Schutterwald in einen 4:0 Lauf und beendete die Halbzeit mit einem 16:12. Nach der Kabinenpause kamen beide Mannschaften ausgeglichen aufs Feld zurück, wechselten sich bis zur 39. Minute mit Toren ab. Die Führung oder ein Remis konnten die Isar Devils allerdings nicht mehr erreichen, zu stark waren ihre Gegnerinnen aus der Ortenau. Das höchste der Gefühle war ein Abstand von vier Toren, den sie nur kurz in der 45. Minute halten konnten. Auch die letzte Auszeit Ismanings fünf Minuten vor Schlusspfiff brachte auch nicht die ersehnte Lösung, auch wenn Christina Ball das letzte Tor des Spiels zum 29:24 versenkte.
Text: Janina Sokoliuk / Foto: Thomas Scherer
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