Wer folgt in der 3. Liga Nord auf Todesfelde?
Saisonvorschau 3. Liga Frauen Nord
21 Siege aus 22 Spielen, 42:2 Punkte und zwölf Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger. Der SV Todesfelde dominierte die 3. Liga Nord in der vergangenen Saison beinahe nach Belieben und verabschiedete sich nach nur einem Jahr direkt wieder in Richtung 2. Bundesliga. Ein ähnlich dominantes Team ist für die kommende Spielzeit jedoch nicht zu erwarten. Ohne Zweitliga-Absteiger ist die Ausgangslage vor dem ersten Spieltag deutlich offener als noch vor einem Jahr.
Im Favoritenrennen richtet sich der erste Blick zwangsläufig nach Schwerin. Grün-Weiß war mit 30:14 Punkten der beste Verfolger von Todesfelde und stellte mit nur 552 Gegentoren zudem die stärkste Defensive der Nordstaffel. Sportlich hätte der Vizemeister damit bereits in der vergangenen Saison über die Aufstiegsrunde den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen können. Der Verein verzichtete jedoch bewusst darauf und begründete seinen Verzicht damit, dass ein Aufstieg zu diesem Zeitpunkt nur auf Kosten der Nachwuchsarbeit möglich gewesen wäre.
Dazu passt, dass Schwerin den Abgang mehrerer Leistungsträgerinnen nicht durch erfahrene externe Spielerinnen ersetzen wird und stattdessen verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzt. Besonders schwer wiegen die Abgänge von Katharina Böhmker und Charlotte Zufelde. Beide spielten seit 2019 für die erste Mannschaft und gehörten zu den wichtigsten Torschützinnen des Teams. Zur neuen Saison wechseln sie gemeinsam zum Zweiligisten HL Bucholz 08-Rosengarten. Außerdem verlässt mit Ava Lorisch ein echtes Eigengewächs den Verein. Die Rückraumspielerin kam bereits im Alter von drei Jahren gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Zoe zu Grün-Weiß, durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften des Vereins und schaffte anschließend den Sprung ins Drittligateam.
Ähnlich spannend ist die Situation beim TV Hannover-Badenstedt. Der Tabellendritte der Vorsaison erzielte 702 Tore und stellte damit hinter Todesfelde den zweitbesten Angriff der Staffel. Mittelfristig hat der Verein den Aufstieg in die 2. Bundesliga ausdrücklich als Ziel formuliert, kurzfristig muss das Trainerduo Domenik Pflughaupt und Jonas Lukowski allerdings zunächst eine neu formierte Mannschaft mit fünf Abgängen und sieben Neuzugängen zusammenführen.
Vor allem im Rückraum verliert Hannover Qualität. Pia Döpke schließt sich Buchholz 08-Rosengarten an, U20-Weltmeisterin Emma Niemann wechselt zum Zweitligisten HC Leipzig und Chiara Rohr schafft sogar den Sprung zur HSG Bensheim/Auerbach in die Bundesliga. Aufgefangen werden soll das unter anderem durch die Rückkehr von Anna Rudolf, die zuletzt für Blomberg-Lippe und Kirchhof spielte, sowie Benita Zemke vom SV Werder Bremen. Mit Antonia Bruns stößt außerdem eine Rückraumspielerin hinzu, die in der vergangenen Saison 129 Oberliga-Tore erzielte.
Abgerundet wird die Gruppe der etablierten Verfolger durch den TuS 97 Bielefeld/Jöllenbeck. Rang vier und 26:18 Punkte bedeuteten bereits im Vorjahr nur vier Zähler Rückstand auf Schwerin. Anders als einige Konkurrenten konnte Bielefeld den Kader dabei zusammenhalten und will Spieler aus der eigenen A-Jugend punktuell dazustoßen lassen. In einer Staffel, in der mehrere Konkurrenten größere Umbrüche vollziehen, könnte das zum Vorteil im Aufstiegsrennen werden.
3. Liga Frauen Nord: Der Frankfurter HC baut fast eine komplett neue Mannschaft
Der vielleicht spannendste Verein der kommenden Saison kommt allerdings aus der unteren Tabellenhälfte. Gerade einmal 15 Punkte holt der Frankfurter HC in der vergangenen Spielzeit. Eine schwierige Saison mit erheblichen Verletzungsproblemen endete entsprechend enttäuschend auf dem zehnten Rang. Den Sommer nutzte der frühere Bundesligist nun für einen großen Kader-Umbruch.
Mit Dijana Dajic und Tea Pogorelc wechseln gleich zwei slowenische Nationalspielerinnen vom europäischen Spitzenklub RK Krim nach Frankfurt. Die 21-jährige Dajic soll mit ihren 1,85 Metern das Tor verstärken und Pogorelc hat mit ihren erst 20 Jahren bereits Erfahrungen in der Champions League und in der slowenischen Nationalmannschaft gesammelt. Dazu kommt die 27-jährige slowakische Linksaußen Ivona Skalicanova, die zuvor in der tschechisch-slowakischen Extraliga und in Österreich spielte. Erst Ende August legte Frankfurt dann noch einmal nach und verpflichtete die portugiesische Nationalspielerin Luana Miriam Gomes Jesus vom Erstligisten Gil Eanes.
Angesichts der namenhaften Neuzugänge ist es wenig verwunderlich, dass der Verein selbst aus seinen Aufstiegsambitionen kein Geheimnis macht. Dass das Potenzial der Mannschaft nicht nur auf dem Papier existiert, deutete sich bereits im DHB-Pokal an, als die neu formierte Truppe mit 26:28 nur knapp gegen Bundesligist Union Halle-Neustadt verlor.
3. Liga Frauen Nord: Wie stark sind die beiden Aufsteiger?
Doch auch bei den Aufsteigern hat sich einiges getan. Vor allem die HSG Eider Harde reist mit einer außergewöhnlichen Bilanz in die dritte Liga. Die Schleswig-Holsteinerinnen gewannen die Regionalliga Nord mit 50:2 Punkten und erzielten in 26 Spielen 955 Tore. Ein klassischer Aufsteiger, der lediglich versucht, seinen bestehenden Kader zusammenzuhalten, ist Eider Harde allerdings nicht. Mit Johanna Somann, Maria Fee Göttsch, Lena Hewig und Maja Zwanziger kommen gleich vier Spielerinnen vom bisherigen Drittligisten TSV Altenholz, der sich für die kommende Spielzeit nicht mehr gemeldet hat. Zudem kommt Lena Ostermann von Werder Bremen II und mehrere Jugendspielerinnen sollen integriert werden.
Nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte gab es allerdings auch einen Wechsel auf der Trainerposition. Bereits im Juni trennte sich der Verein von Aufstiegstrainer Kai Nielsen. Neuer Cheftrainer ist Christian Hungerecker, der die Mannschaft gemeinsam mit Finn Geske und Andreas Wilhelm durch die erste Drittliga-Saison führen soll.
Der zweite Aufsteiger SV Fortuna 50 Neubrandenburg verfolgt einen etwas anderen Weg. Mit Jessy Jonas kommt eine Rückraumspielerin, die beim Rostocker HC beste Torschützin ihres Teams war und bereits Erfahrungen in der zweiten Liga sammeln konnte. Zudem wechselte die bereits Drittliga-Erfahrene Jolene Preussler vom Frankfurter HC nach Neubrandenburg und mit Helena Philipp und Svea Schalk rücken zwei Eigengewächse direkt in den Drittligakader auf. Einen empfindlichen Rückschlag musste Fortuna allerdings schon vor Saisonbeginn verkraften, als sich die Rückraumspielerin Tara Richter in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zuzog. Die Leistungsträgerin wird dem Aufsteiger zunächst für längere Zeit fehlen.
3. Liga Frauen Nord: Vier Mannschaften machen Prognosen schwieriger
Eine Besonderheit der Staffel sind die vier Zweitvertretungen. Mit der HSG Blomberg-Lippe II, Buxtehuder SV II und VFL Oldenburg II bleiben drei bekannte Nachwuchsmannschaften der letzten Saison erhalten und mit der HC Leipzig II kommt eine weitere Zweitvertretung durch die Umgruppierung der Staffeln hinzu. Diese Teams lassen sich vor Saisonbeginn nur schwer anhand klassischer Transfers bewerten, da sich die personelle Situation der ersten Mannschaft regelmäßig auf die Zusammensetzung des Reserveteams auswirkt.
22 Spieltage bleiben den zwölf Mannschaften damit jetzt Zeit, um ihre Ziele zu erreichen. Für die Spitzenteams geht es zunächst um einen der beiden Plätze für die Aufstiegsrunde und am anderen Ende müssen die beiden Letztplatzierten den Gang in die Regionalliga antreten.
(JMI) / Foto: IMAGO
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