Mit Flow und Struktur: Großwallstadt kommt in der Bundesliga an
2. A-Jugend-Bundesliga männlich: Das steht am Wochenende an
Staffel Nord
Im Blickpunkt:
Bergischer HC – JSG LIT 1912 (Sonntag, 15 Uhr)
Daniel Haase ist zurück in der A-Jugend-Bundesliga. Nach seiner erfolgreichen Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen und einem Intermezzo bei den Zweitliga-Männern von TuSEM Essen kümmert sich der 43-Jährige nun um die U19 des Bergischen HC. „Wir hatten direkt gute Gespräche und weil ich weiterhin in Essen lebe, passt die räumliche Nähe zu meinem Wohnort sehr gut in meine familiäre Situation", sagt Haase, der 2022 mit den Rhein-Neckar Löwen die deutsche A-Jugend-Meisterschaft gewann und zu Deutschlands Nachwuchstrainer der Saison 2021/22 gewählt wurde. Das Unentschieden in Rostock war für den Saisonauftakt sehr anständig (Haase: „Ein Remis in Rostock ist ein Punktgewinn"). Im Laufe der Saison geht’s für den neuen Coach darum, die 2. Liga für das Folgejahr abzusichern und vielleicht über die Qualifikation in Richtung 1. Liga anzugreifen. Haase trainiert ein Team, dass aus vielen Spielern des Jung-Jahrgangs besteht, hinzu kommen die B-Jugendlichen Mikkel Oelze, Linas Fischer und Ahmet Tüfekci die nach Abstimmung mit U17-Coach Karsten Wefers immer mal wieder im ältesten Jahrgang eingebaut werden. Oelze spielt als Linkshänder momentan eine wichtige Rolle, weil sich mit Simon Zimmermann der einzige Linkshänder im U19-Stamm beim Sauerland-Cup das Kreuzband riss. Erster Heimgegner ist die JSG LIT 1912, die unter Trainer Arne Kämper eine gute Vorbereitung spielt, ihren Punktspiel-Auftakt gegen Köln jedoch verlor.
MTV Lübeck – HSG Lemgo (Samstag, 19 Uhr)
„Durchbeißen und kämpfen", lautet die Devise, die Kevin Ehrenberg ausgibt. Der Trainer des MTV Lübeck hat in der Regel einen breit aufgestellten 23-Mann-Kader zur Verfügung, aus dem derzeit aber acht Leute ausfallen, darunter befinden sich gleich sieben Rückraumspieler. Die Verletztenakte ist bei den Norddeutschen, und wird in nächster Zeit auch kaum kürzer. In vier Wochen werden die ersten Spieler zurückerwartet. Max Köpcke (Schulter ausgekugelt, Operation in 14 Tagen), Nick Schippel (Schlüsselbeinverletzung), Linus Zschiesche (Bänderriss im Sprunggelenk), Till Schooff (Oberschenkelverletzung), Ole Schooff (allmähliche Rückkehr nach Kreuzbandriss) und Ole Böttcher (Reha nach Kreuzbandriss) sind derzeit nicht einsatzfähig. Hinzu kommen für die nächsten beiden Partien Jona Sohnrey und Noah Ciudad, die sich auf Klassenfahrt befinden. „Durch anfängliche Planungsprobleme bei der Spielterminierung konnten wir nur bedingt Rücksicht auf Klassenreisen nehmen. Da nun aber zusätzlich viele Spieler ausfallen, fällt das extrem schwer ins Gewicht. Leider können wir in der Kürze nur schwer beziehungsweise gar keine Spiele verlegen", berichtet Ehrenberg. Um mehr Optionen zu haben, wird der MTV-B-Jugendliche einbauen und weitere Spieler mit einem Zweitspielrecht ausstatten. Das dürfte gegen die beim Auftakt gegen Bremen überzeugenden Lemgoer kein Zuckerschlecken werden. „So kann es für uns gerne weitergehen", war HSG-Coach Noel Pausits nach dem Auftakterfolg glücklich. „Wir sind mit dem Saisonstart sehr zufrieden, wissen aber, dass in Lübeck eine schwierige Aufgabe auf uns wartet. In den letzten Jahren haben wir dort Erfahrungen mit solchen Auswärtsspielen gemacht und wissen, dass wir dort unsere beste Leistung bringen müssen, um bestehen zu können. Wir können aus dem Vollen schöpfen und haben keine Verletzten, worüber ich sehr froh bin", erklärt Pausits.
Außerdem spielen:
VfL Horneburg – HC Empor Rostock (Samstag, 17 Uhr)
HC Bremen – TV Emsdetten (Samstag, 19.30 Uhr)
JSG Köln – HSG OKT (Sonntag, 14.45 Uhr)
Manchmal lohnt es sich bei Qualifikationsturnieren ganz genau auf den Gegner und dessen Stärken zu achten. Das tat Felix Linden beim Turnier in Minden ausgangs der vergangenen Saison, als die HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen in der Parallelgruppe der Kölnern spielte. „Ein Gegner, bei dem es schwer ist, sich vorzubereiten", findet Linden. Seine Begründung: Die Norddeutschen sind in der Breite torgefährlich aufgestellt und können ihre Tore auf viele Schultern verteilen. „Wir werden an unser Leistungsmaximum herankommen müssen, um unser erstes Heimspiel zu gewinnen", glaubt Linden.
Weil der VfL Horneburg und der TV Emsdetten ihr Spiel vom vergangenen Wochenende auf Anfang Oktober verlegte, befinden sich beide Mannschaften am Wochenende erstmals in dieser Saison im Einsatz: Emsdetten in Bremen, Horneburg zu Hause gegen Rostock. Bremen war beim Auftakt gegen starke Lemgoer chancenlos. Trainer Tim Schulenberg sah trotzdem Ansätze, auf die man aufbauen kann: „Das Ergebnis war nicht gut, von der Einstellung können wir aber etwas mitnehmen. Ich bin mir sicher, dass wir uns gegen Emsdetten anders präsentieren werden."
Dem Vergleich zwischen Rostock und Bremen gab es zuletzt noch in der 1. Bundesliga, damals setzte sich jeweils die Auswärtsmannschaft. Für den VfL war das 30:26 an der Ostsee der einzige Saisonsieg.
Staffel Süd
Im Blickpunkt:
TV Großwallstadt – TVB Stuttgart (Sonntag, 12 Uhr)
Vier Jahre lang fehlte die TVG Junioren Akademie in der A-Jugend-Bundesliga, im Mai schafften die Großwallstädter nun wieder die Qualifikation. Der Einstand hätte besser kaum laufen können: Die Mainfranken gewannen das Derby gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden auswärts deutlich mit 29:20. „Wir haben eine gute Struktur entwickelt, mit der wir uns Stück für Stück nach oben gearbeitet haben", sagt Trainer Edis Hodzic. Diese Schritte begannen auch mit Verbandswechsel aus Bayern nach Hessen im Frühjahr 2023 und dem Einbau einer C-Jugend in den Unterbau der Akademie. So konnte man mehr Spieler aus eigener Kraft in den älteren Nachwuchsbereich führen, anstatt leistungsorientiertes Scouting zu betreiben. Die Konsequenz: Hodzic, der seine achte Saison beim TVG bestreitet, zwischenzeitlich auch schon Co-Trainer in der 2. Bundesliga war, hat eine Mannschaft zusammen, die größtenteils schon seit drei, vier Jahr Jahren unter ihm trainiert. Man kennt sich, man weiß wieder jeder tickt. „Wir hatten den Plan, zur Saison 2027/28 die Qualifikation für die Bundesliga zu schaffen. Aber dann hat sich in der Qualifikation ein Flow entwickelt und die Mannschaft ist von Spiel zu Spiel gewachsen", blickt Hodzic zurück, der von seinen Schützlingen verlangt auch außerhalb der Trainingszeiten in Eigenverantwortung an sich zu arbeiten. Teilweise schnuppern die A-Jugendlichen bereits in den Männer-Trainingsbetrieb rein. Sie sollen langsam herangeführt werden. Immer wieder hat Großwallstadt große Namen herausgebracht: Yannik Kohlbacher und Andreas Wolff zum Beispiel. Die Vorbilder gibt’s, an die sich die aktuellen Jugendspieler ein Beispiel nehmen können.
Nach dem Sieg gegen Nieder-Roden kommt mit dem TVB Stuttgart ein weiterer Sieger des ersten Spieltags nach Großwallstadt. Überragend bei den Schwaben war U17-Weltmeister Can Akkoc mit 18 Toren.
HT München – SG BBM Bietigheim (Sonntag, 15 Uhr)
„Vielleicht sind wir eine kleine Wundertüte", sagt Bietigheims Coach Manuel Schmidt. Mit Manuel Weinhardt, Hendrik Bäßler und Petar Milicevic haben die Enztaler drei Neuzugänge in zentralen Rollen. „Wir hatten bislang noch etwas wenige Kollektiveinhalten. Ich denke schon, dass wir die Qualität mitbringen, um eine gute Rolle in der Bundesliga spielen zu können. Aber in dieser guten, ausgeglichenen Liga entscheiden oftmals Details." Das erwartet er auch für das Auswärtsspiel bei einer offensiven Abwehr praktizierenden und für ihr gutes Tempospiel bekannten Münchnern. Die Gastgeber gehen als Pokalsieger in die neue Spielzeit und haben in der Sommerpause einige Veränderungen vorgenommen. Sowohl im Trainer-Team, das im A-Jugendbereich jetzt von Daniel Teschner angeführt wird, als auch im Ausbildungskonzept. „Wir haben angefangen neue Strukturen zu schaffen. Natürlich bewegen wir uns nicht auf dem Level der Leistungszentren, aber versuchen Sachen zu optimieren", schildert Teschner, der in den vergangenen Jahren von der C- über die B- bis hin jetzt zur A-Jugend aufstieg. Das angesprochene Ausbildungskonzept umfasst eine Aufsplittung der Trainingszeiten in Einheiten mit dem kompletten Team aber auch in Individualtrainings mit um die sieben, acht Spielern. „Ich höre viel in die Mannschaft hinein und glaube, dass es gut ankommt", berichtet Teschner. Die Auftaktniederlage veränderte nichts an der Stimmung. Die Mannschaft blickt positiv auf das Heimspiel gegen Bietigheim voraus. „Ein Ziel ist schwierig abzuschätzen, aber als Pokalsieger wollen wir natürlich nicht nur Platz sechs mitspielen. Die Mannschaft ist gut vorbereitet und will das Maximal herausholen."
Außerdem spielen:
HC Elbflorenz – HLZ Friesenheim-Hochdorf (Samstag, 19 Uhr)
SG Pforzheim/Eutingen – JSG Melsungen/Körle/Guxhagen (Sonntag, 14 Uhr)
HG Oftersheim/Schwetzingen – HSG Rodgau Nieder-Roden (Sonntag, 15.15 Uhr)
Sieben von zehn Süd-Zweitligisten kennen sich aus der Saison 2025/26 – auch die SG Pforzheim/Eutingen und die JSG Melsungen/Körle/Guxhagen, die lange Zeit Chancen auf den Einzug ins Pokalfinale hatten, dann aber doch zu viele Punkte liegen ließen. Dabei setzte sich zuletzt jeweils die Auswärtsmannschaft durch in eher defensiv geprägten Begegnungen. Deutlich mehr als bei der Heimniederlage gegen Großwallstadt gezeigt hat die HSG Rodgau Nieder-Roden. „Wir haben nicht zu unserem Angriffsspiel gefunden", schildert Trainer Julian Klein, in welchem Bereich er sich mehr erwartet. Möglicherweise ist es für die „Baggerseepiraten" ein Vorteil, dass Oftersheim vor einer Woche frei hatte und erst jetzt in die Saison startet. Immerhin einen Punkt schrieb das HLZ Friesenheim-Hochdorf seinem Konto gut (31:31 gegen Pforzheim). „So richtig glücklich sind beide Teams mit dem Unentschieden nicht. Wir konnten aber über viele Spielphasen das zeigen, was wir uns vorgenommen haben. Das gibt uns viel Energie für das Spiel in Dresden", sagt Trainer Max Sormani. Der HC Elbflorenz stand unterdessen gegen den starken TVB Stuttgart defensiv auf verlorenem Posten. Die 39 eigenen Tore bei der 39:45-Niederlage sind für Trainer Henning Cal jedoch ein guter Ansatzpunkt.
Text: René Weiß | Foto: TV Großwallstadt
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