Der Taktikfuchs und Talentschmied
Erik Wudtke über die EM und die Nachwuchsförderung
Co-Trainer Erik Wudtke ist der Einzige im Trainerteam der A-Nationalmannschaft, der schon Gold gewann – mit der U19 bei der Weltmeisterschaft vergangenen Sommer in Ägypten, nach einem dramatischen Finale gegen Spanien. Während die Spieler dieser Jahrgänge als neue U20 unter Trainer Martin Heuberger an diesem Wochenende beim Vier-Länder-Turnier im französischen Angers auf die Gastgeber, Spanien und Portugal treffen, stehen für Wudtke an der Seite von Bundestrainer Alfred Gislason am Donnerstag und Sonntag die finalen EM-Testspiele gegen Kroatien an, bevor es am Dienstag, 13. Januar, zur EHF EURO ins dänische Herning geht.
Die beiden Tests gegen den Vize-Weltmeister sieht Wudtke als ideale EM-Einstimmung an: „Kroatien ist ein Gegner, der uns alles abverlangen wird. Was ich mir erhoffe, sind zwei Spiele, die uns in den Trainingsinhalten, die wir bis dato gemacht haben, nochmal unter Wettkampfbedingungen weiterbringen. Und das werden die beiden Spiele auf jeden Fall tun.“
Denn für Wudtke sind die Vorrundengegner bei der EM – Österreich, Serbien und Spanien – harte Nüsse, und Kroatien eine echte Standortbestimmung: „Diese Tests sind super für uns, weil die EM-Gruppenphase uns in jedem Falle auch von der ersten Minute an alles abverlangen wird. Eigentlich beginnt unsere Europameisterschaft mit den beiden Spielen gegen Kroatien – auch was die Kulisse in Zagreb betrifft. Das wird eine tolle Herausforderung für unsere Jungs sein – genau wie der Gegner. Insofern erwarten wir von Anfang an Vollgas von den Jungs. Das werden sie auch bringen. Zudem werden wir sehen, wo wir noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen müssen.“
Generell seien alle Trainingseinheiten beim Lehrgang in Hannover bislang sehr gut gelaufen, mit ähnlichen Schwerpunkten wie bei allen Lehrgängen: Abwehr, Angriff, Tempospiel und Rückzugsverhalten. „Es geht bei einer kurzen Vorbereitung darum, sich auf ein paar Dinge zu konzentrieren, mit weniger Wiederholungen und dafür mehr Intensität und Präzision.“ Dabei helfe, dass der Stamm der Mannschaft sehr eingespielt ist: „Ich glaube schon, dass eine ganze Menge Automatismen in unserem Team vorhanden sind, gerade in der Abwehr, weil ja doch zahlreiche Spieler, die jetzt auch im Innenblock beziehungsweise die vier inneren Abwehrpositionen bekleiden, schon recht lange zusammenspielen bei der Nationalmannschaft. Zudem haben wir in dem einen oder anderen Fall natürlich die glückliche Konstellation, dass über das Spielen im Verein eine gewisse Routine und auch eine gewisse Vertrautheit besteht, zum Beispiel mit Tom Kiesler und Julian Köster, die sich im Verein bestens kennen. Wir fangen also nicht bei null an, auch wenn vier Spieler ihr erstes großes Turnier bestreiten.“
Aktuell werden auch neue Varianten integriert, wie 7-gegen-6 oder vier Rückraumspieler – beides allerdings bislang nur aus Sicht der Verteidigung. Was den Angriff betrifft, kann sich Wudtke aber zumindest die Überzahl auch als taktische Variante vorstellen. Viel wichtiger im Gesamtkontext seien aber die mentale Stärke und das Selbstbewusstsein der Mannschaft, das sie vor allem bei den Olympischen Spielen in Paris und Lille gezeigt hat: „Dieses Selbstbewusstsein und auch dieses Selbstverständnis brauchen wir natürlich auch jetzt, um erfolgreich zu sein. Darauf können wir bauen und da müssen wir uns auch dran erinnern. Und das bei Olympia praktizierte Tempospiel ist auf jeden Fall auch ein Schwerpunkt in unseren Trainingsinhalten momentan. Denn das, was wir schon mal bewiesen haben, gibt uns auf jeden Fall die Sicherheit und auch ein bisschen Rückendeckung. Vor allem in den schwierigen Situationen, in den Momenten, in denen das Spiel entschieden wird.“
Und diese Phasen werden schon in der Vorrunde kommen, wenn drei – laut Wudtke – völlig unterschiedliche Gegner auf die DHB-Auswahl warten: „Wir müssen uns jedes Mal auf eine völlig neue Spielweise einstellen, auch wenn alle drei Teams von Spaniern trainiert werden. Die Spanier spielen wieder einen sehr, sehr schnellen Handball, mit sehr schnellem Umschaltspiel, hoher Passgeschwindigkeit und wenigen technischen Fehler. Zudem sind sie sehr flexibel im Abwehrspiel. Österreich ist eine Mannschaft, die vermutlich das Tempo reduzieren wird, um mit den Kräften auch entsprechend haushalten zu können. Da gilt es für uns, nicht den Spielrhythmus vom Gegner anzunehmen, sondern dass wir das Tempo und den Rhythmus des Spiels bestimmen. Dazu kommt mit Serbien eine Mannschaft, die in der Vergangenheit auch viele Wechsel im Kader hatte, so dass man nicht viele Informationen nutzen kann.“ Auch wenn die Hürden hoch sind, blickt Wudtke optimistisch auf die Vorrunde: „Wir können selbstbewusst sein, denn wir sind für keinen von den drei Mannschaften Wunschgegner. Und das wollen wir demonstrieren.“
Als Talentschmied im Nachwuchsbereich sorgt Wudtke auch dafür, dass regelmäßig neue junge Spieler ans A-Team anklopfen. Dabei, so der Jugend-Bundestrainer, profitiert der DHB aber auch von der guten Arbeit der Vereine: „Wir haben eine sehr, sehr breite Basis an Talenten in Deutschland und werden daher immer sehr gute Mannschaften zusammenstellen können. Besser als die meisten Mannschaften in dieser Altersklasse von anderen Nationen. Ich glaube, dass wir jedes Jahr Talente haben, die eine Chance haben, auch in die A-Nationalmannschaft zu kommen.“
„Ich bereite die Spieler bis zum U19-Jahrgang vor. Danach liegt es auch an ihrer persönlichen Weiterentwicklung und ihren Möglichkeiten, im Erwachsenenbereich Erfahrungen auf höchstem Niveau sammeln zu können. Das ist der Schlüssel, um den letzten Schritt auch in Bundesliga und dann auch in die Nationalmannschaft gehen zu können. Die Vereine arbeiten immer mehr auch mit dem Bewusstsein auf junge deutsche Spieler zu setzen. Und wir als Nationalmannschaft dürfen davon profitieren“, sagt Wudtke.
Sein Blick in die Zukunft ist daher voller Optimismus: „Da braucht uns nicht bange sein. Talente werden wir in Deutschland immer haben, wenn wir so weiterarbeiten, wie wir es jetzt in den letzten Jahren im Nachwuchsbereich gemacht haben.“
(BP / Foto: Imago)
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