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Handball-Ampelmännchen als Türöffner
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Handball-Ampelmännchen als Türöffner

Wie eine spontane Idee der DJK Unitas Haan Aufmerksamkeit, Sponsoren und politische Unterstützung auslöst.

DJK Unitas Haan entfacht die Begeisterung für Handball

Samstagabend, ein paar Leute aus dem Verein sitzen entspannt bei Kaltgetränken zusammen – und irgendwann geht es um Ampelmännchen. Klingt erstmal nach einer dieser Ideen, die am nächsten Morgen wieder verschwunden sind. In Haan war das anders. Ein paar Wochen später wird das Thema im Stadtrat vorgestellt, einstimmig beschlossen, der WDR berichtet. Und tatsächlich melden sich daraufhin mehrere Firmen beim Verein, die so begeistert sind, dass sie neue Sponsoren werden.

Das ist die Kurzfassung einer Geschichte, die mir mal wieder zeigt, dass keine Idee zu absurd ist, um Begeisterung für Handball zu entfachen. Aber der Reihe nach.

LINK INSTA-BEITRAG

Vom Spieler zum Gestalter

Die DJK Unitas Haan ist sportlich in der Regionalliga unterwegs. Vierte Liga, ambitionierter Amateurhandball. Gleichzeitig ist der Verein in den letzten Jahren auch insgesamt stark gewachsen, von rund 150 auf heute etwa 560 Mitglieder.

Stefan Panthel hat diesen Weg mitgeprägt. Über 40 Jahre im Verein, erst als Spieler, seit 5 Jahren im Vorstand. „Der Schritt war irgendwann logisch, so eng wie ich mit der Stadt und dem Verein verbunden bin“, sagt er.

Die Halle ist bei Heimspielen regelmäßig voll. Der Verein ist in der Stadt präsent, auch über den Sport hinaus. Und genau das ist kein Zufall.

Ideen entwickeln – und dann auch umsetzen

Denn ein kleiner Kreis spricht regelmäßig darüber, wie man neue Impulse setzen kann. Allesamt ehemalige Mitspieler, heute mit Familie, deren Kinder im Verein sind. Man kennt sich, man trifft sich, man denkt gemeinsam weiter.

Die Logik ist dabei oft erstaunlich einfach: „Wenn Bundesligisten Sondertrikots zu Karneval oder Oktoberfest machen, warum nicht wir?“ Also gab es ein Kirmes-Trikot. „Wenn Fußballvereine Weihnachtssingen im Stadion machen, dann probieren wir das auch.“ Heute ist genau dieses Weihnachtssingen ein fester Termin. Ausverkauft, wirtschaftlich relevant, emotional wichtig für den Verein.

Dazu kommen Formate wie ein Oktoberfest mit einem lokalen Partner. Nichts davon ist komplett neu, das weiß der Verein auch. Aber es ist konsequent umgesetzt. Und genau das ist der Unterschied.

Die Ampel-Idee: “Lass uns das einfach machen”

In diese Logik reiht sich auch das Ampelmännchen ziemlich nahtlos ein. Denn die Idee ist nicht grundsätzlich neu: In Deutschland gibt es schon dutzende andere Städte, die ihre eigenen Figuren im Straßenbild haben – mal historisch, mal kulturell geprägt. Aber ein Handball-Ampelmännchen, das gab es bislang noch nicht.

„Nachdem uns die Idee kam, haben wir einmal kurz recherchiert und dann direkt ein Design mit KI erstellt, das war eigentlich sofort da“, sagt Panthel. Kein monatelanger Prozess, sondern eher ein zügiges „Lass uns das mal machen“.

Wichtig ist dabei: Das Ziel war nie, einfach nur eine lustige Aktion zu starten. Es ging darum, im Stadtbild stattzufinden, gerade für Kinder und Familien. Also genau dort sichtbar zu sein, wo potenzielle neue Mitglieder im Alltag unterwegs sind: Auf dem Schulweg, rund um Kitas, vor der Halle.

Dass so ein Vorschlag dann einstimmig bei den Lokalpolitikern durchgeht, ist alles andere als selbstverständlich, zeigt aber auch, wie anschlussfähig die Idee war.

Aufmerksamkeit ist kein Zufall

Ein wenig geholfen hat auch der Zeitpunkt. Der Verein spielt das Thema bewusst während der Handball-Europameisterschaft aus. Also in einem Moment, in dem ohnehin viel Aufmerksamkeit auf unserem Sport liegt.

Das Timing und die Idee funktionieren besser, als es sich die Verantwortlichen je erhofft hatten. Medien greifen die Geschichte auf, erst regional, dann darüber hinaus. „Auf einmal ruft der WDR an und fragt, ob wir eine Live-Schalte machen können“, berichtet Stefan Panthel. In der Fußgängerzone werden Passanten von Kamerateams zu den Handball-Ampelmännchen befragt. Plötzlich ist Haan Thema.

Was daraus entsteht, geht über Reichweite und Aufmerksamkeit hinaus. Mehrere Unternehmen melden sich eigenständig beim Verein, einfach weil sie die Geschichte gesehen haben und das Gefühl hatten: Da passiert etwas.

„Normalerweise läuft Sponsoring bei uns viel über Vitamin B. Aber die haben unsere Beiträge gesehen und sich einfach gemeldet“, sagt Vorstandsmitglied Panthel.

Drei neue Sponsoren sind das direkte Ergebnis. Und dabei war das gar nicht der eigentliche Plan – eher ein unerwarteter und willkommener Nebeneffekt.

Worum es eigentlich geht

Denn der Kern der Geschichte liegt nicht im Ampelmännchen selbst.

Es geht darum, als Verein im Alltag stattzufinden und Teil der lokalen Identität zu werden. Nicht nur in der Halle, nicht nur am Spieltag, sondern mitten in der Stadt.

Und so ergibt sich aus Oktoberfest, Kirmes-Trikots, Weihnachtssingen und den Ampelmännchen ein stimmiges Gesamtbild.

„Wir haben große Ziele, wir wollen in die 3. Liga. Und wenn du erfolgreich sein willst, dann geht das nur über die Jugendarbeit“, ist sich Panthel sicher.

Gerade die Ampelmännchen sind dafür ein gutes Beispiel. Sie machen Handball sichtbar für Kinder – niedrigschwellig, jeden Tag, ganz nebenbei. Ein kleiner Berührungspunkt im Alltag (im Marketing würde man von „Touchpoints“ sprechen), der Wirkung entfalten kann.

Wenn Ideen weitergetragen werden

Dass die Idee Kreise zieht, überrascht dann wenig. Andere Städte greifen sie auf, diskutieren ähnliche Ansätze.

Das sieht der Verein grundsätzlich positiv, mit einer Einschränkung. Wenn andere Klubs selbst aktiv werden und eigene Ideen entwickeln, passt das. Schwieriger wird es dort, wo es vor allem um persönliche Sichtbarkeit geht, wie etwa im Fall einer Politikerin, die die Idee direkt in ihren eigenen Wirkungskreis übernommen hat.

Für die Haaner Handballer selbst ist das aktuell ohnehin zweitrangig. Der Fokus liegt darauf, die ersten Ampeln tatsächlich umzusetzen. Die Standorte stehen, die Abstimmungen laufen.

Bald ist es dann soweit: Gleich mehrere Ampelanlagen werden im neuen Handball-Design im Stadtbild auftauchen.

Was andere Vereine daraus mitnehmen können:

●      Ideen entstehen im Team und im Austausch. Entscheidend ist dann halt nur, was man damit macht.

●      Man muss das Rad nicht neu erfinden. Gute Ansätze lassen sich übertragen.

●      Gutes Timing verstärkt Wirkung. Gerade bei Medien und Öffentlichkeit.

●      Einfach machen schlägt Perfektion. “Wer was will, der muss was dafür tun”, hat Stefan Panthel mir gesagt. Recht hat er.

●      Euer Spielfeld endet nicht an der Hallentür. Wenn ihr wollt, könnt ihr eure Stadt mitgestalten.

Fazit

Die Handball-Ampelmännchen in Haan sind am Ende nicht die große Idee, die alles verändert. Und natürlich gibt es Menschen, die die Stirn runzeln und sich fragen, was der Quatsch soll.

Aber genau darin liegt vielleicht die Stärke. Es ist eine Maßnahme, bei der Menschen hängen bleiben. Und: Es bleibt nicht bei der Idee, die Verantwortlichen gehen das auch wirklich an.

Und plötzlich entsteht daraus etwas: Aufmerksamkeit, Gespräche in der Stadt, neue Kontakte, neue Sponsoren. Dinge, die man so nicht planen kann, die aber genau dann passieren, wenn ein Verein sichtbar wird.

Und manchmal reicht eben schon ein Impuls aus einer Bierlaune – damit am Ende die ganze Stadt darüber spricht und ein Handballverein deutschlandweit in den Medien ist.

Über den Autor:

Marco Kehrenberg ist Experte für strategisches Sportmarketing mit Handball-Wurzeln. Als ehemaliger Spieler in der niederländischen Eredivisie und erfahrener Berater begleitet er Organisationen, Verbände und ausgewählte Projekte dabei, ihre Kommunikation, Positionierung und digitale Ausrichtung im Sport weiterzuentwickeln – strategisch, praxisnah und ohne operative Spielereien. Mehr dazu unter https://sport-iq.de.

Für handball.net beleuchtet er regelmäßig, wie Vereine und Organisationen sich im digitalen und strategischen Umfeld klug aufstellen können.

Foto: DJK Unitas Haan

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