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Gekommen, um zu bleiben? Die Adler Regensburg starten in der 3. Liga
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Gekommen, um zu bleiben? Die Adler Regensburg starten in der 3. Liga

Interview mit Teammanager Felix Schmidl

Ende der vergangenen Spielzeit war es endlich so weit: Die SG Regensburg schaffte den Aufstieg aus der Regionalliga Bayern in die 3. Liga Süd. Damit erreichten die Adler ein Ziel, auf das der Verein langfristig hingearbeitet hatte. Mit 49:3 Punkten und einem beeindruckenden Torverhältnis von +289 gelang der Aufstieg in der Saison 2025/26 mehr als souverän.

Inzwischen hat das Abenteuer 3. Liga begonnen – und gleich zum Auftakt wartete eine echte Hausnummer. Beim amtierenden Meister der 3. Liga Süd, dem SV Salamander Kornwestheim, unterlagen die Regensburger lediglich mit 36:40 und zeigten dabei, dass sie auch eine Spielklasse höher mithalten können. Nur wenig später folgte gegen Mitaufsteiger Schwäbisch Gmünd der erste Sieg

Über den Aufstieg, die ersten Erfahrungen in der 3. Liga, die Entwicklung der Adler und die Ziele für die neue Saison haben wir mit Felix Schmidl, Teammanager der Adler Regensburg, gesprochen.

Felix, bevor wir über die 3. Liga sprechen: Wie würdest du jemandem, der die Adler Regensburg noch nicht kennt, eure Mannschaft und das Projekt dahinter beschreiben?

Vor einigen Jahren hat ein junger Unternehmer aus Regensburg, Simon Dillinger, die GmbH für einen symbolischen Euro erworben. Er und ich kannten uns schon einige Jahre und haben dann vor drei Jahren beschlossen, ein mittel- bis langfristiges Konzept für die Zukunft der Adler zu entwickeln. Das setzen wir nun Stück für Stück um.

Im Großen und Ganzen geht es um die Professionalisierung vom Jugendbereich der SG bis hin zu den Adlern – und zwar in allen Bereichen. Diesen Weg gehen wir sehr konsequent.

Aus finanziellen Gründen setzen wir auf sehr junge Spieler – im besten Fall aus Deutschland. Mit lediglich einem ungarischen, deutschsprachigen Spieler ist uns das wieder gelungen. Wir stellen unserem Trainer Herth einen breiten Kader zur Verfügung, weil wir nicht wissen, welche Spieler den Schritt und den Sprung in die 3. Liga schaffen. Das ist aufwendig und auch mit Rückschritten verbunden, aber wir haben eben nicht die finanziellen Ressourcen wie zum Beispiel die Panther in München.

Der Aufstieg in die 3. Liga war ein langfristiges Ziel. Wann hattest du in der vergangenen Saison erstmals das Gefühl: Dieses Jahr schaffen wir es wirklich?

Ich hatte schon in der Vorbereitung nach dem Sieg beim EUREGIO Cup in Brixen die Überzeugung, dass wir es dieses Jahr schaffen. Die Mannschaft war reif genug, viele junge Spieler waren erfahren genug, um es zu schaffen. Auch nach der Niederlage im ersten Spiel gegen Landshut war ich davon überzeugt, weil die Mannschaft extrem gefestigt war.

Mit 49:3 Punkten und einem Torverhältnis von +289 war die Saison außergewöhnlich dominant. Was hat diese Mannschaft in der vergangenen Spielzeit so stark gemacht?

Ein großartiger Teamspirit, das Einstehen füreinander und ein breiter Kader. Und einfach diese „Galligkeit", die Spiele zu gewinnen. Auch wenn wir schon weit vorne waren, gab es immer nur Vollgas bis Minute 60.

Es haben dann auch Spieler eine Chance bekommen, die normalerweise viel auf der Bank sitzen. Aber auch diese Spieler wollten zeigen, dass sie mehr Spielzeit bekommen können. Dadurch entstand die perfekte Konkurrenzsituation.

Was bedeutet der Aufstieg für den Verein – sportlich, organisatorisch und auch wirtschaftlich?

Es ist ein unglaublicher Aufwand. Wir müssen in eine neue Spielstätte umziehen, wir mussten und müssen die Sponsorenbasis vergrößern und haben einen enormen Aufwand, alles weiter zu professionalisieren. Dazu steht die Stadt leider sehr wenig an unserer Seite, was alle Themen verkompliziert.

Es wird beim ersten Heimspiel am 19. September auch noch nicht alles reibungslos funktionieren. Aber wir freuen uns auf das erste Drittliga-Heimspiel und alle Helfer arbeiten unermüdlich.

Zum Auftakt ging es direkt zum amtierenden Meister Kornwestheim. Ihr habt euch beim 36:40 mehr als ordentlich verkauft. Was ging dir nach diesen ersten 60 Minuten Drittligahandball durch den Kopf?

Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass etwas mehr drin gewesen wäre. Aber am Ende sieht man einfach, dass uns hier die Erfahrung fehlt und wir noch einen großen Entwicklungsschritt machen müssen. Wir müssen die Punkte gegen die Mannschaften von unten holen und die Heimspiele gewinnen.

Wo ist der Unterschied zwischen Regionalliga und 3. Liga für euch bislang am deutlichsten zu spüren?

Die Spielgeschwindigkeit ist höher, die Abwehraktionen sind härter und die Schiedsrichter lassen viel länger laufen. Das wussten wir vorher, aber daran muss sich unsere junge Mannschaft gewöhnen. Aber auch alles neben dem Spielfeld ist professioneller – vom Livestream angefangen.

Nach dem ersten Eindruck in Kornwestheim: Wo seht ihr euch selbst im Vergleich mit den anderen Mannschaften der 3. Liga Süd?

Das ist zu so einem frühen Zeitpunkt schwierig zu sagen. Am Ende sind nicht die Spiele gegen die Topmannschaften entscheidend, sondern die gegen die direkten Konkurrenten. Ich gehe davon aus, dass wir die Liga halten.

Mit welchem Ziel geht ihr in die Saison? Wäre der Klassenerhalt bereits ein Erfolg – oder traut ihr euch als Aufsteiger mehr zu?

Für diese Saison wollen wir die Klasse halten. Unser langfristiger Plan sieht auch hier eine Weiterentwicklung vor, aber zunächst geben wir alles, um in der Liga zu bleiben. Jedes andere Ziel wäre mit Blick auf unsere junge Mannschaft auch vermessen.

Hinter einer Drittligamannschaft steckt inzwischen einiges an Aufwand. Wie sieht dein Job als Teammanager eigentlich aus – und was bekommt der normale Zuschauer von deiner Arbeit überhaupt nicht mit?

Im besten Fall bekommt der Zuschauer von meiner Arbeit überhaupt nichts mit. Der Zuschauer soll ein packendes Spiel mit einer tollen Atmosphäre und einem gut organisierten Heimspieltag sowie einer qualitativ guten Mannschaft sehen – dazu die Adler präsent in den sozialen Medien und „in aller Munde".

Gemeinsam mit unserem Eigentümer haben wir ein klares Bild davon, wie wir die Mannschaft und die Spieltage entwickeln wollen. Simon ist dabei als „Mastermind" im Hintergrund aktiv und hält sich aus dem operativen Geschäft größtenteils heraus.

Ich habe ein ganzes Team von ehrenamtlichen und für eine Aufwandsentschädigung tätigen Mitstreitern und Mitstreiterinnen. Ich versuche, im Hintergrund zu koordinieren und zu steuern.

Aufgrund meiner beruflichen Situation als selbstständiger Unternehmer wäre ich ohne unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter völlig verloren, da ich immer nur begrenzt verfügbar bin.

Aber es macht großen Spaß mit unserem „Team hinterm Team", weil alle großes Engagement zeigen, weiterkommen wollen und immer neue Ideen entwickeln. Und auch hier haben wir fast ausschließlich junge Leute versammelt.

Zu meinen Aufgabenbereichen gehören die Weiterentwicklung der Marke Adler Regensburg, Spielerverhandlungen und Verträge, Sponsorenakquise und -verträge, die Spieltagsorganisation sowie die Adler nach außen zu vertreten. Gerade in der Öffentlichkeitsarbeit und bei Social Media haben wir in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung gemacht, die wir weiter ausbauen werden.

Hand aufs Herz: Ist die 3. Liga für die Adler langfristig das Ziel – oder darf man in Regensburg insgeheim schon von der 2. Bundesliga träumen?

Träumen ist nie verboten.

Langfristig gibt es der Standort in Regensburg her, in der 2. Liga zu spielen. So sieht auch unser Masterplan aus. Aber davor müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen, denn allein im finanziellen Bereich sind wir aktuell himmelweit von der 2. Liga entfernt.

Wir müssen hier einen Schritt nach dem anderen machen: die Mannschaft sportlich – und wir im Hintergrund müssen uns in allen Bereichen weiter professionalisieren. Wir sind auf einem guten Weg, aber auf diesem wird es immer wieder Rückschläge geben. Aktuell sind wir noch ein großes Stück von der 2. Liga entfernt. In allen Bereichen.

Also: volle Konzentration auf den Klassenerhalt und im Hintergrund Stück für Stück unsere Hausaufgaben machen.

Felix, vielen Dank für das Gespräch und euch viel Erfolg für die erste Saison in der 3. Liga!

Text: Heiko Kunkel | Foto: Lea Platzer/capturedbylea

 

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