Leihgestern trotz PSV den ersten Punkt ab - Köln neuer Tabellenführer
3. Liga: Alle Infos zum sechsten Spieltag in der Staffel Mitte
Führungswechsel an der Tabellenspitze: Der 1. FC Köln nutzt den ersten Punktverlust des PSV Recklinghausen und übernimmt mit einem 30:23-Erfolg beim TB Wülfrath die Tabellenführung.
Spektakuläre Aufholjagd: Die TSG Leihgestern kämpft sich gegen den bislang verlustpunktfreien PSV Recklinghausen von einem Sieben-Tore-Rückstand zurück und sichert sich ein 28:28.
Überraschung gegen den amtierenden Staffelmeister: Der TV Aldekerk bezwingt die favorisierte TSG Mainz-Bretzenheim mit 26:25. Lina Nebel erzielt den Siegtreffer zehn Sekunden vor Schluss.
Spannung bis zum Abpfiff: Mainz 05 II erkämpft sich nach wechselnden Führungen ein 28:28 gegen Bad Wildungen, während der Thüringer HC II mit einem knappen 27:26 gegen Bensheim/Auerbach II den dritten Sieg in Folge feiert.
HSG Bad Wildungen Vipers - 1. FSV Mainz 05 II - 28:28 (15:13)
Mit einem fulminanten 28:28 bestätigte der 1. FSV Mainz 05 II die Verfolgerrolle der Top-Drei der Liga. Währenddessen rutschte die HSG Bad Wildungen Vipers mit dem Unentschieden weiter in das Mittelfeld der Liga. Dennoch wird sich eher der MSV über das Ergebnis ärgern, obwohl die Meenzer Dynamites-Reserve über Großteile der Partie nicht den Ton angaben. Im ersten Durchgang legte die Mannschaft von Zoran Radojevic geradezu beflügelt los und ging mit 3:0 in Führung. Der Vorsprung hielt sich über die Stände 5:1 (9.), 7:3 (12.) und 10:4 (16.). Der FSV brauchte wohl diese erste Viertelstunde, um sich auf die Vipers einzustellen, denn ab dem 10:4 begann die Aufholjagd. In kleinen Schritten wurde die Partie über das 12:8 in der 22. Minute, das 13:10 in der 25. Minute und schlussendlich zur Halbzeit beim Stand von 15:13 wieder offen. In den zweiten 30 Minuten kämpften sich die Dynamites weiter in die Partie, Juliane Dold erzielte in der 35. Minute mit dem Tor zum 16:16 das erste Unentschieden der Partie seit dem 0:0 und Dold war sichtlich auf einer Mission. Einige Minuten später, in der 39. Minute traf sie zum 18:19 und damit zur erste Gäste-Führung. Bei den Vipers war von der anfänglichen Kontrolle über die Partie bereits lange nichts mehr zu sehen, wobei im Endspurt das Pendel in Richtung Vipers ausschlug. Nach dem 22:23-Rückstand brachte ein 4:0-Lauf die HSG mit 26:23 in Front. In der 54. Minute stand es 27:24 und die Vipers planten offensichtlich schon den Heimsieg. Das sah jedoch abermals Juliane Dold komplett anders und setzte zum alleinigen 4:0-Lauf an. Aus dem Rückstand wurde so mit noch etwas weniger als zwei Minuten auf der Uhr die 27:28-Führung für Mainz. Wohl am Ende versöhnlich rettete Merle Pauser mit dem 28:28 das Unentschieden für Bad Wildungen.
TSG 1893 Leihgestern - PSV Recklinghausen - 28:28 (13:15)
Erstmals in der laufenden Spielzeit musste der PSV Recklinghausen einen Punkt abgeben, im Auswärtsspiel bei der TSG 1893 Leihgestern sah es noch gut 15 Minuten vor Schluss nach einem komfortablen Sieg aus. Dann aber schaltete die TSG in den Aufhol-Modus und stürmten zu einem umjubelten Punktgewinn. Doch der Reihe nach: Die erste Partie bot zunächst enorm viel Spannung und daher keinen klaren Favoriten. Ganz zu Beginn führte der PSV mit 2:4 (9.) und 3:6 (11.), die TSG glich in der 21. Minute zum 9:9 aus und ging sogar wenig später mit 10:9 in Führung. Gerade die Minuten vor und nach der Halbzeit gehörten jedoch gänzlich dem Polizeisportverein, so wurde aus dem 13:12-Rückstand die 13:16-Führung (31.). Und damit war der offensive Zug des PSV ins Rollen gekommen. Ohne Zwischenstopp raste der PSV bis auf 14:20 (34.) davon. Für weitere gut zehn Minuten fand Leihgestern nicht zurück in die Partie, sodass mit noch etwa 15 Minuten auf der Uhr der Tabellenführer beim Stand von 18:25 als augenscheinlicher Sieger wirken sollte. Dann aber drehte sich der Wind der Partie, die TSG brach mit einem 4:0-Lauf zur Aufholjagd an. Nach dem 22:25 meldete Lara Janz für den PSV eine Rückmeldung an, jedoch reagierte Leihgestern darauf nur noch angeregter. Einen weiteren 4:0-Lauf später stand es plötzlich 26:26 - auf der Uhr waren es noch vier Minuten. Kein Team konnte sich am Ende mit zwei Punkten belohnen - der PSV ging zwei Mal in Führung und die TSG glich jeweils aus. Mit dem Ergebnis kann Leihgestern wohl deutlich besser leben, auf Instagram schrieb der Verein: "Wir haben gezeigt, dass wir auch gegen starke Gegner bestehen können!" Ebenfalls auf Instagram meldete der PSV, dass man "ärgerlich einen Punkt in Leihgestern" verloren habe.
TB Wülfrath - 1. FC Köln - 23:30 (12:14)
Die Tabellenführer des PSV Recklinghausen ließen einen Punkt in Leihgestern liegen - das wurde, wenn überhaupt, erst während der Partie des 1. FC Köln beim TB Wülfrath publik und dennoch ist der Sieg des FC im Hinblick auf das PSV-Ergebnis doppelt wichtig gewesen. Vor den beiden Partien war die Situation an der Tabellenspitze klar, der PSV hatte keinen Punkt abgegeben, der FC hatte mit dem Unentschieden gegen die TSG Mainz-Bretzenheim hingegen bereits einen Minus-Punkt. Und ob nun ein halbes Auge auf den Liveticker aus Leihgestern schielte oder nicht, der TB machte dem FC die erste Halbzeit absolut kein Geschenk. Im Gegenteil, die Kalkstädterinnen erinnerten sich offensichtlich an die starke Leistung aus dem ersten Saisonspiel und gingen den Favoriten vom Rhein mit 3:1 in Führung. Der "Effzeh" wachte in der Folge auf und glich direkt zum 3:3 aus - bis in die 16. Minute war die Partie durchaus überraschend auf Augenhöhe, ehe Köln nach dem 8:8 das Geschehen übernahm. Vier Tore in guten fünf Minuten machten aus dem Unentschieden einen 8:12-Rückstand, wobei Wülfrath keinesfalls in Panik verfiel. Nachdem sich das Team von Jan Artmann und Jörg Büngeler kurz schüttelte, verkürzte man noch vor der Halbzeit auf immerhin 12:14. Rund um den Halbzeitpfiff dürfte in etwa das Ergebnis des PSV in Leihgestern vermeldet worden sein und womöglich brachte das dem 1. FC Köln eine kleine Portion Extra-Motivation. Denn im zweiten Durchgang machten die Geißböcke den Sack zu. Bereits in der 35. Minute war die Führung auf fünf Tore (13:18) gewachsen, was auch bis in die Schlussphase grob der Abstand bleiben sollte. Der TB wollte weiterkämpfen, kam jedoch nicht gegen die FC-Abwehr an. Ein letzter Versuch der Aufholjagd zeigte sich im Treffer von Leonie Lambertz zum 19:22 in der 48. Minute. Der FC erstickte jegliche Hoffnung mit vier Toren in Serie und dem 19:26 in der 54. Minute. Spätestens zu diesem Zeitpunkt durfte von einer Vorentscheidung gesprochen werden, in den restlichen Minuten spielte Köln die Führung abgeklärt ins Ziel und durfte sich nach dem 23:30 neuer Tabellenführer nennen!
BV Borussia 09 Dortmund II - TuS Königsdorf - 30:32 (16:16)
Das Duell zwischen den Aufsteigern des BV Borussia 09 Dortmund II und dem TuS Königsdorf bot exakt an, was man sich von einem Aufsteiger-Duell erwartet hatte. Wobei vor allem die Spannung und Anspannung auf beiden Seiten zunächst vorherrschte. Nach fünf Minuten stand es gerade 1:1, ehe Königsdorf den besseren Start erwischte. In einem ersten kleinen Lauf zog der TuS auf 1:5 davon und der BVB-Nachwuchs hatte mit dieser Situation zu kämpfen. Und doch fand der Bundesliga-Unterbau einen Weg in die Partie, über Kampf und viel Emotion stemmten sich die Gelb-Schwarzen vor allem ab der 20. Minute gegen eine drohende Niederlage. Aus dem 9:13-Rückstand wurde der 14:14-Ausgleich und noch vor dem Seitenwechsel die 16:14-Führung. Königsdorf war jedoch keinesfalls geschlagen, die Gäste drehten das Ding erst zum 16:1-Halbzeitstand und machten in den ersten acht Minuten der zweiten Hälfte bis zum 16:21 einfach weiter. Der BVB hatte in dieser Phase jeglichen Kampfgeist augenscheinlich verloren, sodass der TuS die Führung bis in Richtung der Schlussviertelstunde auf 18:25 erweitern konnte. Anders als noch im ersten Durchgang gab es dann auch kein BVB-Comeback mehr, erst ab der 57. Minute schien man sich entschieden gegen die Niederlage wehren zu wollen. Doch die Zeit ging aus, sodass aus dem 26:32 nur noch der 30:32 Endstand resultieren konnte.
TV Aldekerk - TSG Mainz-Bretzenheim - 26:25 (15:12)
Pflichtaufgabe für die Ischn? Fehlanzeige! Der TV Aldekerk überraschte am sechsten Spieltag die gesamte Staffel Mitte und trotzte den favorisierten Damen der TSG Mainz-Bretzenheim die Punkte ab. Und das nicht etwa in einem glücklichen Erfolg, der TV dominierte weite Strecken der Partie. Die Anfangsphase ging mit 3:1 (6.) an den TV A, auch nach 15 Minuten führten die augenscheinlichen Außenseiter mit 10:7 und auch zur Halbzeit lag das Team von Jörg Hermes mit 15:12 in Front. Die Worte von Katrin Schneider in der TSG-Kabine müssen deutlich gewesen sein, denn die amtierenden Staffelmeister kamen verändert aus der Pause. Zumindest für etwa fünf Minuten, in denen die TSG auf 15:15 ausgleichen sollte. Dann wurde jedoch dem TV A wieder jegliche Freiheit gewährt, sodass die Hausherrinnen auf 18:15 den alten Abstand wieder herstellen konnten. Dieser Ablauf zeigte sich in der zweiten Halbzeit noch einmal. Die TSG kämpfte sich auf 19:19 (42.) ran, Aldekerk zog auf 22:19 (48.) davon. In den finalen zehn Minuten war dann jedoch die brandheiße Schlussphase endgültig angezündet. Jona Reese glich für die Ischn zum 22:22 aus, Lina Nebel brachte Aldekerk mit dem 23:22 in Front. Wieder glichen die Ischn aus, Kim Maren Quetsch traf zum 23:23 aus und wieder stemmte sich Lina Nebel mit dem Tor zum 24:23 gegen die TSG. Für das 24:24 der Ischn war dann wieder Jona Reese zur Stelle und tatsächlich brachte Julie Jacobs die favorisierten Gäste mit noch knapp zwei Minuten auf der Uhr beim 24:25 in Führung. Diese letzten beiden Minuten gehörten, natürlich, Lina Nebel. Mit zwei Toren brachte Aldekerk erst mit dem 25:25 auf Level und dann final etwa zehn Sekunden vor Schluss mit dem 26:25 auf die Siegerstraße. Auf Instagram meldete der Verein nach Abpfiff die erwartet große Freude: "Unerwartete Punkte sind besonders schön!!!"
Thüringer HC II - HSG Bensheim/Auerbach II - 27:26 (13:12)
Mit dem dritten Sieg in Folge festigt der Thüringer HC II die frühe Stellung inmitten der Tabelle, während die HSG Bensheim/Auerbach II weiter vergebens auf den ersten Sieg der gesamten Saison wartet. Bei den Junior Flames wird man sich nach der knappen Niederlage in Erfurt gehörig ärgern, wobei der Spielverlauf den THC-Sieg durchaus bestätigte. Bereits in den ersten 30 Minuten stellte der Bundesliga-Nachwuchs aus Thüringen die Weichen für den Erfolg, wenn auch die Führung maximal auf drei Toren anwachsen sollte (11:8, 24.). Im zweiten Durchgang war dann schlichtweg alles geboten, was ein derartiges Kellerduell auf Augenhöhe mitbringen sollte. Die Flames stachelten sich zur Führung an und schienen das Spiel beim 15:16 gekippt zu haben. Allen voran Nina Rädge wollten für die Flames dem Spiel ihren Stempel aufdrücken und steuerte in der 41. Minute so den Treffer zum 17:19 bei. Doch der THC hatte alles auf Sieg gesetzt, leidenschaftlich und konsequent zogen die Erfurterinnen wieder an und gingen mit 21:19 in Führung. Erwartungsgemäß prägte Ludmilla Janda die Partie für den THC, doch auch Dilayla Alarslan trug in der Schlussphase ihren Teil bei. Eine Entscheidung gab es jedoch vor den letzten Minuten nicht wirklich bei noch knappen zweieinhalb Minuten auf der Uhr verkürzte Stella-Marie Wendel für die HSG auf 27:26. Aber es sollte nichts mehr passieren - beide Teams hatten noch eine Auszeit gelegt, ohne Wirkung. Und somit konnte der THC-Nachwuchs feiern.
Text: Felix Maier / Bild: KREILING
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