Anton Stemmer verhindert in letzter Sekunde Hagens Überraschung
Spieltagszusammenfassung 1. A-Jugend-Bundesliga: 100 furiose Sekunden: Göppingen dreht fast verlorenes Spiel
Staffel Nord
VfL Potsdam – TSV Burgdorf 24:29 (9:15)
Mit nur 24 Gegentoren stellten die „Jungrecken" in Potsdam über 60 Minuten hinweg eine super Abwehr. „Wir haben in der Helferkette prima agiert und die Lücken erfolgreich geschlossen", freute sich TSV-Trainer Sven Hylmar über die defensive Stabilität. Trotz der frühen Roten Karte gegen Julius Nemitz (25.) zeigten die Niedersachsen eine überlegene Leistung. Auch Potsdams Coach Alexander Haase ordnete den Fünf-Tore-Auswärtssieg als verdient ein. „Burgdorf hat heute demonstriert, dass sie in dieser Besetzung Ansprüche auf das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft haben können." Die Gastgeber riefen jedoch auch nicht die Leistung ab, die sie gebraucht hätten, um Burgdorf gefährlich werden zu können. „Wir haben heute den Teamgedanken und den Einsatz vermissen lassen", bemängelte Haase.
THW Kiel – TuSEM Essen 40:27 (23:16)
Während der Bundesliga-Klassiker der Männer zwischen dem THW und der SG Flensburg-Handewitt zum Krimi wurde, zeigten die U19-„Zebras" gegen TuSEM Essen deutlich ihre Überlegenheit. „Kiel hat absolut verdient gewonnen. Sie waren diese 13 Tore besser", gratulierte Gästetrainer Florian Buddenborg den Schleswig-Holsteinern fair zum klaren Heimsieg. Die Ruhrpottler hatten sich ein paar Konzepte zurechtgelegt, mit denen sie Kiels Angriffs-Qualitäten eindämmen wollten, doch dazu kam die Buddenborg-Sieben in vielen Situationen nicht, weil in der ersten Aktion der Zugriff fehlte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigte TuSEM eine gute Phase und verkürzte zum 21:26 aus seiner Sicht. Kiels 8:1-Lauf zwischen Minute 41 und 50 zeigte dann aber wieder die Fähigkeit des Vizemeisters, bei dem Vincent Faciejew mit zehn Toren am häufigsten traf. Der Rechtsaußen hatte am Mittwoch im DHB-Pokal sein Profidebüt gefeiert. „Insgesamt war es eine gute Vorstellung von uns, wir haben über große Strecken des Spiels gut als Mannschaft zusammengespielt und konnten unseren breiten Kader nutzen. Anfang der zweiten Halbzeit hatten wir dann ein wenig Probleme mit der besser werdenden Abwehr des Essener. Da ist uns vor allem das angesprochene mannschaftliche Zusammenspiel verloren gegangen, und wir haben zu oft versucht, Lösungen im Individuellen und weniger im Kooperativen und Kollektiven zu finden", fasste Kiels Trainer Felix Höppner zusammen.
VfL Eintracht Hagen – SC Magdeburg 27:28 (15:13)
Mit einem blauen Auge kam der deutsche Meister in Hagen davon. „Ich glaube Magdeburg war heute der glückliche Sieger", fasste VfL-Trainer Jan-Lars Gaubatz zusammen, dessen Mannschaft an einer Sensation schnupperte. In der ersten Halbzeit lagen die Westfalen zwischenzeitlich mit bis zu vier Toren in Front (10:6, 15.), zur Pause stand es 15:13. Daraus könnte man folgern, dass der Coach des Unterdogs hochzufrieden ist. Bei Jan-Lars Gaubatz war das nur bedingt der Fall. „Durch viele technische Fehler haben wir eine höhere Führung verpasst." Nach der Pause erwischte der SCM die Gastgeber mit einem 6:0-Lauf auf dem falschen Fuß. Beim Stand von 20:27 schien die Partie nach 50 Minuten gelaufen zu sein. Doch Magdeburg hatte die Rechnung ohne die kampfstarke Eintracht gemacht, die Tor um Tor verkürzte, zum 27:28 aufschloss und in der letzten Sekunde sogar die Chance auf den Ausgleich hatte. Tom Bauernfeind, mit zwölf Toren der Mann, der Hagen im Spiel gehalten hatte, verwarf allerdings. „Das ist unglücklich, aber ich bin froh Spieler zu haben, die in solch einer Situation Verantwortung übernehmen. Daran wachsen die Jungs", so Gaubatz. Thomas Köblin atmete auf Magdeburger Seite auf nach dem Anton Stemmer den Strafwurf abgewehrt hatte. Die Endphase gefiel Magdeburgs Trainer nicht: „Wir haben unsere leidenschaftliche Abwehr und unser Spiel nicht bis zum Ende durchgedrückt. In den letzten zehn Minuten haben wir wieder gesehen, dass 85 Prozent in der A-Jugend-Bundesliga nicht reichen."
TV Bissendorf-Holte – HC Hamburg 33:38 (17:18)
Ganz schön strampeln musste der HC Hamburg, um in Bissendorf seine Favoritenrolle zu erfüllen. Die Gäste machten sich das Leben selbst schwer, wie Trainer Sven Rusbült schilderte. Man habe es in einer zerfahrenen Begegnung verpasst, nach einer Vier-, Fünf-Tore-Führung das Spiel zuzumachen. „Wir haben Bissendorf mit unseren Fehlern wiederholt die Chance gegeben, ins Spiel zurückzufinden", monierte Rusbült. So schafften die Gastgeber zum Beispiel nach einer Dreiviertelstunde den Anschluss zum 26:27 und befanden sich auch zehn Minuten vor Schluss noch auf Tuchfühlung (29:31). „Am Ende haben wir uns dank einer starken Moral, guter Teamleistung und der Paraden von Paul Biermann durchgesetzt", fasste Rusbült zusammen. Dazu kamen 13 Tore vom besten Schützen des Tages: Jaron Unbehaun. Dem TVBH machte wieder die zu hohen Anzahl an Fehlern zu schaffen. „Wir waren eigentlich nicht viel schlechter, aber es gewinnt nun mal die Mannschaft, die weniger Fehler macht. Und das war Hamburg. Wir haben immer wieder Phasen, in denen sich unsere Spieler Auszeiten nehmen", sagte Bissendorfs Trainer Julian Vodde.
Staffel Süd
SC DHfK Leipzig – Rhein-Neckar Löwen 41:38 (22:18)
Auch in ihrem dritten Saisonspiel behielten die Leipziger eine weiße Weste gegen personell dezimierte Löwen. Den Baden-Württembergern war anzumerken, dass mehrere wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlten. „Die Mannschaft war nicht eingespielt. Aber trotzdem haben wir auch nicht das auf die Platte gebracht, was dieses Aufgebot zu leisten im Stande ist", schilderte Gästetrainer Martin Berger. Ein schlechter Start (6:1 für Leipzig nach sieben Minuten), viele Fehler und ein nachlässiges Rückzugsverhalten begleiteten das Löwen-Spiel. Ein starkes Comeback zeigte Rückraumspieler Matteo Kalvelage (13 Tore), auch Tim Löhr auf Rechtsaußen hatte eine gute Quote und Tarik Graf kämpfte aufopferungsvoll, doch das war für die Nordbadener zu wenig. Bei Leipzig wechselten sich gute und schwächere Phasen ab. Das kennt Trainer Matthias Albrecht bereits aus den ersten Spielen. „Wir haben sehr gut angefangen, dann aber immer wieder Fehler eingestreut und es verpasst, den Deckel auf das Spiel zu machen." Zweimal führten die Gastgeber mit sieben Toren, doch vorentscheidend war dieser Abstand noch nicht. „Wir haben uns gut herangearbeitet, um dann wieder eklatante Fehler zu begehen", haderte Martin Berger.
HSG Dutenhofen/Münchholzhausen – Frischauf Göppingen 32:33 (16:16)
Noch 100 Sekunden Restspielzeit standen in der Sporthalle Dutenhofen auf der Hallenuhr, als die „Mittelhessen Youngsters" beim Stand von 32:30 den Sieg zum Greifen nah hatten. Aber dann kam der entfesselte, nervenstarke Frischauf-Endspurt mit drei Toren durch Niklas Herberger (2) und Samuel Latka zum 32:33-Endstand. Mit dem siebten Feldspieler und nach einer Deckungsumstellung drehte Tobias Hafners Team das Spiel. Es war die erste und einzige Göppinger Führung in der zweiten Halbzeit, die erste seit dem 14:15 (28.). „Göppingen hatte am Ende mehr Spielglück als wir. Trotzdem bin ich stolz auf die Leistung meiner Mannschaft, die von der ersten bis zur letzten Minute alles gegeben hat", sagte Dutenhofens Trainer Kai Nober. Er machte gegen die starken Baden-Württemberger viele einfache Angriffsfehler und ein zu frühes Suchen des Kreisläufers anstatt die Chance aus dem Rückraum zu suchen aus. Auch das Göppinger Tempospiel stellte den Wetzlarer Nachwuchs vor große Aufgaben. Aber: Die HSG zeigte auch richtig gute Phasen mit flüssigem Ballfluss. „Wir haben den Gegner mit konsequenter Abwehrarbeit zu schwierigen Würfen gezwungen, es aber leider verpasst, uns vorentscheidend abzusetzen", so Nober. Die nervenstarken Göppinger blieben dran und sorgten für ein dramatisches Ende. So spannend hätte es nach Tobias Hafners Meinung gar nicht werden müssen: Göppingen hatte 14 Fehlwürfe und 12 technische Fehler. „Damit kannst du ein Spiel eigentlich nicht gewinnen", sagte Hafner. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit brachte jeder Spieler Impulse ins Spiel ein, und reichte es trotz der Statistik zu zwei Zählern.
JANO Filder – DJK Sportfreunde Budenheim 37:32 (17:16)
Ein 9:1-Lauf für die gastgebende JANO zwischen den Minuten 47 und 53 entschied das Spiel zugunsten der „Falken". „Bis dahin waren wir absolut im Spiel drin", hielt Gästetrainer Kai Schiebeler fest. Und wie: Die Rheinhessen führten mit 26:24 (47.), als viele individuelle Fehler und eine zu geringe Abschlussquote den möglichen Sieg kosteten. „Und wir hatten kein Glück mit ein paar Schiedsrichterentscheidungen", fügte Schiebeler hinzu. Er machte seinen Jungs keine Vorwürfe, einzig die Effektivität beim Abschluss hätte besser sein können oder sogar müssen. Bei JANO waren Linus Zemmel (12/7) und Max Balbuchta (9) die Go-To-Guys in der Offensive, die zusammen mehr als die Hälfte der Tore der Heimmannschaft erzielten. „Es war eine richtig schwere Aufgabe gegen Budenheim. Wir sind gut gestartet und haben uns es dann auch selbst durch einige unnötige Ballverluste schwer gemacht", erklärte Alexander Adam aus dem Filder-Trainerteam, wieso die Partie so lange Spitz‘ auf Knopf stand. Mit Willen, Toren von Zemmel und Balbuchta sowie Paraden von Lukas Ruis riss die Heimmannschaft das Spiel am Ende an sich. „Entscheidend war die Phase ab der 48. Minute, in der wir uns innerhalb von sieben Minuten mit einer sehr guten Abwehrleistung auf 33:27 absetzen konnten", stellte Adam fest.
TSV Bayer Dormagen – VfL Gummersbach 31:25 (13:12)
Der TSV Bayer Dormagen bleibt mit 6:0 Punkten an der Spitze der Südgruppe. Im heißen Derby gegen den VfL Gummersbach erreichten beide Mannschaften spielerisch nicht unbedingt ihr Optimum, dafür lobten beide Trainer aber die Abwehrarbeit und Emotionalität. „Wir wissen, dass wir es im Angriff besser können. Dafür haben wir defensiv gut gearbeitet. Die Jungs haben alles gegeben", erklärte VfL-Trainer Joao Caracois. In der zweiten Halbzeit zogen die „Jungwiesel" das Spiel immer mehr auf ihre Seite. Entscheidend gelang das auf dem Weg vom 21:19 (46.) zum 25:19 (49.). „Wir haben unsere technischen Fehler reduziert", erklärte Bayer-Coach André Nicklas einen wichtigen Siegfaktor. Beide Mannschaften konnten nicht in Bestbesetzung antreten. Beim VfL gab es durch Krankheiten und Verletzungen mehrere Ausfälle, bei Dormagen musste Luka Kersten verletzungsbedingt auf das Spiel gegen seinen letztjährigen Klub verzichten.
JSG Balingen-Weilstetten – HC Erlangen 36:35 (19:17)
Am dritten Saisonspieltag ist auch die JSG Balingen-Weilstetten in der Saison angekommen. Die „Junggallier" holten sich im Heimspiel gegen den HC Erlangen die ersten Punkte. Balingen hatte sich viel vorgenommen und zeigte das direkt in den ersten Minuten. Vor allem Lenn Strobel erreichte schnell Betriebstemperatur. Der U18-Europameister stand schon nach fünf Minuten bei vier Toren. Am Ende waren es 14 für ihn. Erlangen kämpfte sich mit zunehmender Spielzeit immer besser in die Begegnung und schloss auf. Die Mannschaft von Adrian Fuladdjusch ließ sich davon nicht aus dem Tritt bringen. „Wir sind ruhig geblieben und haben am Ende in einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Nerven behalten", sagte der JSG-Coach. Erlangens bester Schütze Leo Tysk (10) egalisierte das Ergebnis zwei Minuten vor Schluss erstmals seit dem 19:19 wieder. Das letzte und entscheidende Tor gelang Friedrich Henselek zum Balinger Sieg. HCE-Coach Tristan Staat sagte: „Es war ein spannendes, gutes und kampfbetontes Handballspiel. Wir mussten uns am Ende der Verletzungsproblematik geschlagen geben, dennoch haben wir es mit zwei Rückraumspielern gut gemacht. Hauptproblem war unsere mangelnde Chancenverwertung. Ein Punkt wäre verdient gewesen, den hätten wir gerne mitgenommen."
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