„Agenda 2030“: So will Göppingen den Nachwuchs zu den Profis bringen
Spieltagausblick 1. A-Jugend-Bundesliga: Frischauf und Leipzig sind bereit für das Spitzenspiel
Staffel Süd, Partie im Blick:
SC DHfK Leipzig – Frischauf Göppingen (Samstag, 14 Uhr)
Micha Lang, Tim Goßner, Sascha Brodbeck, Oskar Neudeck und Julian Buchele haben eine Gemeinsamkeit: Alle stammen aus der eigenen Jugend von Frischauf Göppingen und sind in dieser Saison schon unter Benjamin Matschke bei den Profis zum Einsatz gekommen. Der eine mehr, der andere als Nachrücker für die Verletzten weniger. Auch Torhüter Titus Lewe und Fynn Hofele sind bereits mit Profiverträgen ausgestattet, Niklas Herberger absolvierte in der vergangenen Saison sein Erstliga-Debüt in Hamburg und erzielte in seinen ersten drei Minuten drei Tore – rekordverdächtig.
Es sollen künftig noch mehr Eigengewächse Sprung nach oben schaffen. Das hat der Verein in seiner „Agenda 2030" festgehalten. „Ein Drittel des Erstliga-Teams soll künftig aus Spielern bestehen, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Das forcieren wir momentan", sagt U19-Trainer und Nachwuchskoordinator Tobias Hafner. Aktuell trainiert ein halbes Dutzend Talente unter Matschke mit, um kennenzulernen, welcher Wind bei den Profis weht. Kontinuität und Vertrauen sind wichtige Stichworte in Göppingen. „Wir hatten im Sommer ein paar Anfragen aus Österreich und der Schweiz, aber es entspricht nur unserer Philosophie übermäßig Spieler von außerhalb in unsere Jugend zu holen. Das sind in der Regel die Ausnahmen – so wie jetzt bei Jannis Eckerle, der aus Freiburg kommt und bei dem es einfach gepasst hat. Auch wenn der eine oder andere vielleicht fünf Prozent besser ist, werden wir niemandem, der schon länger bei uns ist, sagen: ,Danke, das war’s.‘. 90 Prozent der Frischauf-Spieler stammen aus einem Umkreis von 35 bis 45 Minuten Fahrzeit. Inzwischen besteht die Möglichkeit, in Wohnungen und Wohngemeinschaften direkt im Vereinsumfeld seine Zelte aufzuschlagen. Elf Unterkünfte wurde geschaffen, Tim Goßner machte als Erstbezieher des Wohnkonzepts einst den Anfang. „Ab der B-Jugend wird das bei uns konkretes Thema", erklärt Hafner, der eine defensivere Bewerbungsform wählt: „Wir sind nicht so forsch mit dem Scouting unterwegs, sondern wollen eine Möglichkeit für die aufzeigen, die hier in unserer Region sind."
Aktuell läuft es bei Frischauf sportlich bestens. Hafners Teams ist neben dem SC DHfK Leipzig die nach vier Spieltagen einzige verlustpunktfreie Mannschaft in der 1. A-Jugend-Bundesliga Süd. Diese Zahl wird sich am Sonntagnachmittag in Leipzig reduzieren, wenn das Spitzenduo aufeinandertrifft. Für Frischauf ist es bereits das zweite Topspiel in Folge. Vor einer Woche gewannen die Baden-Württemberger gegen die bis dahin ebenfalls ungeschlagenen Dormagener. „Das Spiel hat uns gezeigt, dass wir auch gegen solche Mannschaften bestehen können. Wir können jedes Spiel für uns entscheiden, aber die Staffel ist so eng, dass man immer 100 Prozent braucht", sagt Hafner. Immerhin hatte Bayer das Vorbereitungsturnier in Berlin für sich entschieden und auch in den ersten Wochen der Saison bewiesen, dass die Rheinländer oben mitmischen können. „Wir merken momentan, dass der Großteil unserer Mannschaft schon im letzten Jahr in der A-Jugend spielte und Verantwortung trug. Hinzu kamen jetzt viele aus dem Jahrgang 2009. So können wir einen breiten Kader stellen", erklärt Hafner, warum seine Mannschaft momentan so gut performt. „Da stehen eine starke 6:0-Deckung, die gut ins Tempospiel kommt, Eins-gegen-Eins-Spieler aber auch Rückraumschützen auf dem Feld. Einfach ein starker Gegner", weiß Leipzigs Trainer Matthias Albrecht, was auf seine Mannschaft am Wochenende zukommt. Während Göppingen derzeit die beste Hintermannschaft der Staffel stellt (106 Gegentore in 4 Spielen), ist Leipzig offensiv das Maß der Dinge. „Wir haben aus den vier Siegen Selbstbewusstsein getankt", berichtet Albrecht. Aber sein Team streute auch immer noch Phasen in seine Spiele ein, in denen man es dem Gegner zu einfach machte. „Agiler stehen in der Deckung, geduldig und konsequent im Angriff spielen", fordert er für das Spitzenspiel.
JSG Balingen-Weilstetten – HSG Dutenhofen/Münchholzhausen (Samstag, 19 Uhr)
Es hat Gründe, dass die JSG Balingen-Weilstetten noch nicht dort steht, wo sie stehen könnte. Nach dem Sieg gegen den HC Erlangen konnten die „Junggallier" nicht den erhofften Lauf starten, aber die Rahmenbedingungen machen das momentan auch schwer. „Durch unsere Ausfälle können wir noch nicht das Niveau erreichen, das möglich ist. Deshalb liegt der Fokus darauf, dass wir uns nun allmählich stabilisieren", erklärt Trainer Adrian Fuladdjusch. Derzeit läuft bei der JSG der Prozess Spielern neue Rollen zu übergeben und sie in mehr Verantwortung hineinwachsen zu lassen. Im Heimspiel gegen die „Mittelhessen Youngsters" wird der Kader voraussichtlich ähnlich aussehen wie zuletzt in Budenheim, große Veränderungen sind nicht zu erwarten. Nichtsdestotrotz hofft Fuladdjusch, eine bessere Abwehr zu stellen. 40 Gegentore in Rheinhessen waren schon etwas viel. Die Dutenhofener wollen die Positivität aus dem Balingen-Spiel mitnehmen. „Das Tempo, das Eins-gegen-Eins nach einer Isolation im Angriff und antizipative Abwehrformationen sind bisher die Auffälligkeiten aus den Spielen", beschreibt HSG-Trainer Kai Nober die Charakteristik des eigenen Spiels. Noch konstanter könne man die Abwehrleistung und eine Angriffseffektivität auf die Platte bringen. Durch zwei Ausfälle im Rückraum kommt auf alle zur Verfügung stehenden Feldspieler viel Verantwortung zu.
JANO Filder – VfL Gummersbach (Sonntag, 15 Uhr)
Joao Caracois sieht eine Entwicklung. Seine Gummersbacher machen von Spiel zu Spiel Fortschritte, auch in den Trainings sieht der Portugiese den richtigen Weg. „Es gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir uns verbessern. Und wir wollen uns weiterhin Tag für Tag verbessern, um den positiven Ergebnissen näherzukommen." Bei der 32:36-Niederlage gegen Leipzig war der Unterschied nicht allzu groß, jetzt starten die Oberbergischen bei JANO Filder einen nächsten Anlauf. Der Vizemeister von 2024/25 steht mit 6:2 Punkten vor einer richtungsweisenden Begegnung. Kann er den Kontakt zur Spitzengruppe halten oder rücken die Verfolger näher heran? „Die Staffel ist sehr ausgeglichen. Es gibt keine Laufkundschaft. Deshalb müssen wir in jedem Spiel volle Konzentration abrufen", erklärt Alexander Adam aus dem JANO-Trainer-Team, dass die Tabelle kein Maßstab ist. Aktuell steht Gummersbach bei einem Sieg, der am Grünen Tisch entstand, weil die Partie gegen Dutenhofen/Münchholzhausen nachträglich für den VfL gewertet wurde. Verzichten müssen die Gastgeber wie schon zuletzt auf den an der Hand verletzten Max Klein.
DJK Sportfreunde Budenheim – Rhein-Neckar Löwen (Sonntag, 15 Uhr)
Vor anderthalb Jahren war es für die Sportfreunde Budenheim ein großes Erlebnis, als sie im Viertelfinale um die deutsche B-Jugend-Meisterschaft den Rhein-Neckar Löwen einen großen Kampf lieferten, im Hinspiel nach 30 Minuten mit 19:18 führten, die Sensation am Ende aber verpassten. Weite Teile der damaligen Teams treffen sich jetzt wieder. Es ist noch immer der „kleine" Herausforderer aus Rheinhessen, der die Internatsstruktur aus Nordbaden herausfordert. Auch wenn das Tabellenbild aktuell anders aussieht: Budenheim steht nach dem Zehn-Tore-Sieg gegen Balingen vor den punktlosen Löwen, die weiterhin mit dezimiertem Kader spielen müssen. „Gegenüber dem Spiel gegen JANO gibt es keine Veränderungen. Wir werden weiterhin eng zusammenrücken", sagt Trainer Martin Berger. Die Partie wurde zwar verloren und die Niederlage tue auch weh, aber: „Wir haben guten Handball gespielt und eine Reaktion gezeigt", so Berger. Budenheims Heimstärke mit vielen Emotionen, dem wurfstarken Rückraum um Max Hessinger sowie Alvar Matsuura stellt eine Herausforderung dar. „Wir müssen versuchen, Budenheim unser Spiel aufzuzwingen", schildert der Löwen-Coach.
Mit dem Erfolg gegen Balingen sind die Sportfreunde in der Saison angekommen. „Wir befinden uns noch nicht in der Position zum Angriff zu blasen, aber mit dem Spielglück auf unserer Seite sind wir auch in der Lage, gegen die Löwen etwas zu holen. Dann könnten wir an das Tabellenmittelfeld anknüpfen. Das ist unser Ziel", sagt Budenheims Trainer Kai Schiebeler.
Staffel Nord:
VfL Eintracht Hagen – Füchse Berlin (Samstag, 15.30 Uhr)
Die Niederlage in Kiel war deutlich und außergewöhnlich hoch für die Füchse Berlin. Auch, weil einige Spieler fehlten. „Die Situation hat sich gegenüber der Vorwoche nicht sonderlich verändert", berichtet Trainer Sven Suton. Das ändert aber nichts an der Erwartungshaltung für das Auswärtsspiel in Hagen am Samstag. „Wir fahren nach Hagen und wollen auf jeden Fall zwei Punkte mitnehmen", macht Suton klar. Mit einer hohen Niederlage gegen Kiel hat auch die Eintracht in dieser Saison schon Erfahrungen gemacht. Am 1. Spieltag unterlagen die Westfalen mit 24:44. Deutlich mehr Zuversicht gibt die knappe Niederlage gegen Magdeburg (27:28). „Wir haben gezeigt, dass wir jedem Gegner Kopfschmerzen bereiten können, wenn wir uns am Maximum bewegen. Wenn wir aber nur ein paar Prozent nachlassen, bekommen wir große Probleme", sagt Trainer Jan-Lars Gaubatz. Die Spiele gegen Magdeburg und Essen nur eine Woche später (26:36) zeigen dieses Kontrastpunkt deutlich auf. Unabhängig davon, welche Berliner Spieler am Samstag einsatzbereit sind, kündigt Gaubatz einen variablen Gegner an. Die Vorbereitung verlief mit Störungen. Mehrere Hagener Spieler befanden sich auf Klassenfahrt, außerdem müssen ein paar A-Jugendliche in der U23 aushelfen. „Wir werden eine Wundertüte sein", so Gaubatz.SC Magdeburg – TuSEM Essen (Sonntag, 16 Uhr)
SC Magdeburg – TuSEM Essen (Sonntag, 16 Uhr)
Weil der THW Kiel und der TSV Burgdorf am Wochenende spielfrei haben, kann der Deutsche Meister aus Magdeburg zumindest nach Pluspunkten mit dem Spitzenduo gleichziehen. Der Unterschied bislang besteht bislang in dem einen verlorenen Spiel, das sich der SCM am 2. Spieltag gegen Kiel leistete (35:36). Zum dritten Mal am Stück spielen die Sachsen-Anhalter gegen ein Team aus der unteren Tabellenhälfte. Gegen Hagen war’s knapp (28:27), gegen Bissendorf-Holte deutlich (43:34). Somit zeigte das Team von Thomas Kölblin die Reaktion, die der Trainer sehen wollte. Es geht darum, keinen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die Leistungsdichte hat zugenommen. Wir müssen auch gegen Essen 100 Prozent auf die Platte bringen, den wurfgewaltigen Rückraum unter Druck setzen und das Tempospiel, das fest im Essener Spiel verankert ist, mit einem guten Rückzug rausnehmen", nennt Kölblin die Ansatzpunkte für Sonntagnachmittag. Das Magdeburger Verletztenlazarett licht sich allmählich, trotzdem wird zwischen Drittliga-Mannschaft, A- und B-Jugend das Thema Belastungssteuerung weiterhin groß geschrieben. „Wir müssen mit einem wieder kleinen Kader als Team eng zusammenstehen", fordert der Trainer. Anders als Magdeburg erlebte Essen in dieser Saison gegen Hagen einen deutlichen Sieg. „Daran wollen wir anknüpfen", sagt TuSEM-Coach Florian Buddenborg zum 36:26-Sieg im NRW-Derby. Was auf der einen Seite gilt, gilt auch auf der anderen: Auch Buddenborg spricht beim Gegner von einem starken Tempospiel, das es zu kontrollieren gilt.
TSV Burgdorf – THW Kiel (Sonntag, 16 Uhr)
In Hannover beginnt bereits am Sonntag die Rückrunde. In einer vorgezogenen Partie des 14. Spieltags empfangen die „Jungrecken" den THW zum Vergleich der Ungeschlagenen in der Nordgruppe. Vor allem Kiels Saisonstart hinterließ Eindruck. Mit Magdeburg und Berlin schlugen der A- und B-Jugend-Vizemeister der Saison 2025/26 zwei Mannschaften, die auch in dieser Runde ins höchste Regal im deutschen U19-Bereich gehören. Hinter Burgdorf liegt ein etwas einfacheres Auftaktprogramm, dass Sven Hylmars Schützlinge ohne Stolperer bewerkstelligten. „Ich denke das relativ enge Spiel gegen Flensburg war wichtig im Vorfeld des Kiel-Spiels, auf das ich mich wirklich freue", sagt Hylmar. Er rechnet mit Hochgeschwindigkeits-Handball. Und dazu soll nicht nur der Weg nach vorn, sondern auch die umgekehrte Richtung zählen. „Uns ist sehr wichtig gut zu verteidigen. Dafür brauchen wir gegen den THW einen schnell Rückzug." Der Traner des TSV weiß, dass Spitzenspiele wie diese besonders motivieren. „Es gibt ein paar Blessuren bei uns aber am Sonntag wird keiner irgendwelche Wehwehchen spüren."
Weil Kiels B-Jugend an diesem Wochenende spielfrei hat, wird Torhüter Tobias Leuchtl aushelfen. „Durch die Herbstferien in Schleswig-Holstein konnten wir die Belastungen der Spieler besser steuern. Wir sind also gerüstet für das Spiel zwischen dem wahrscheinlich besten Angiff der Liga bei uns und der am unangenehmsten zu bespielenden Abwehr bei Burgdorf", sagt THW-Coach Felix Höppner, der in Niedersachsen ein „50:50-Spiel" erwartet.
SG Flensburg-Handewitt – HC Hamburg (Sonntag, 17 Uhr)
Drei Spiele, drei Niederlagen – und jetzt der Moment, die Wende einzuleiten? Die A-Jugend der SG Flensburg-Handewitt wartet in dieser Saison noch auf ihren ersten Sieg. Der soll am Sonntagabend in der Wikinghalle gelingen. Der Saisonstart hatte es in sich. Zum Auftakt warteten mit Magdeburg, Berlin und Burgdorf gleich drei anspruchsvolle Aufgaben, aus denen die SG ohne Punkte herausging. Ein Programm, das Geduld verlangte und der Mannschaft früh zeigte, wie hoch die Hürden in dieser Spielklasse liegen. Umso größer ist nun der Wunsch, vor eigenem Publikum die ersten Zähler einzufahren. Die Tabelle unterstreicht die Bedeutung der Partie. Die SG steht derzeit auf dem neunten und damit vorletzten Platz. Der Handball Club Hamburg reist als Sechster an und hat den besseren Start erwischt. Wie viel an diesem Nachmittag auf dem Spiel steht, bringt Mittelmann und Führungsspieler Klaas Simon auf den Punkt: „Das ist für uns ein wichtiges Spiel. Es wird ein Wegweiser dafür sein, wohin es in dieser Saison für uns geht." Ein erster Sieg würde Selbstvertrauen geben und zeigen, dass die Mannschaft den schwierigen Auftakt hinter sich lassen kann. Wer die Hamburger stoppen will, muss vor allem zwei Namen im Blick haben. Jaron Unbehaun führt die Torschützenliste seines Teams mit 38 Treffern an und gilt vom Siebenmeter-Punkt als besonders sicher. Dahinter folgt Luka Lackovic, der bislang 31 Mal traf. Für die SG-Deckung heißt das: Sie muss das Duo früh unter Druck setzen, ohne dabei die Disziplin zu verlieren.
Text/Foto: René Weiss
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